Verpackungssteuer wirkt vor Ort

Fabian

Verpackungssteuer im Bonbon
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  • Faktencheck der Initiative Verpackungswende zeigt: Branchenstudie zu kommunaler Verpackungssteuer rechnet kommunale Wirkungen klein und unterschätzt Potenziale von Mehrwegsystemen
  • Erfahrungen aus Kommunen zeigen: Verpackungssteuern reduzieren Einwegabfälle nachhaltig und stärken Mehrweg
  • Initiative Verpackungswende spricht sich weiterhin dafür aus, Verpackungssteuern als wirksames Instrument für weniger Abfälle und zur Förderung von Mehrweg zu nutzen

Berlin, 26.8.2026: Die Initiative Verpackungswende kritisiert eine Branchenstudie zu kommunalen Verpackungssteuern als nicht aussagekräftig genug, um deren Wirkungen auf kommunaler Ebene angemessen zu bewerten. Ein Faktencheck der Initiative zeigt zahlreiche Mängel. So seien zentrale Annahmen der Studie aufgrund einer intransparenten Datengrundlage nicht ausreichend nachvollziehbar. Zudem würden kommunale Wirkungen kleingerechnet, indem sie ins Verhältnis zu nationalen Abfallmengen und CO₂-Emissionen gesetzt würden. Wesentliche Umweltfolgen von Einwegverpackungen sowie der wirtschaftliche Nutzen für Kommunen blieben ebenfalls unzureichend berücksichtigt. Die Studie wurde von acht Verbänden der Einwegverpackungs-, Handels- und Gastronomiebranche beauftragt und von der Gesellschaft für Verpackungsmarktforschung sowie dem ifeu-Institut erstellt.

Kommunale Wirkung als entscheidender Maßstab

Barbara Metz, Bundesgeschäftsführerin der DUH, erklärt, bei der Bewertung kommunaler Verpackungssteuern müsse deren Wirkung vor Ort der entscheidende Maßstab sein. Die Studie setze mögliche Einsparungen stattdessen ins Verhältnis zu nationalen Abfallmengen und Emissionen. Auf diese Weise lasse sich die Wirkung nahezu jeder lokalen Umweltmaßnahme kleinrechnen.

Die tatsächlichen Erfahrungen in Tübingen, Konstanz und Freiburg zeichneten hingegen ein deutliches Bild: Der Verbrauch von Einwegverpackungen gehe zurück, Abfall werde vermieden und Mehrweg gestärkt. In Tübingen hätten 73 Prozent der befragten Betriebe ihren Einwegverbrauch seit 2019 reduziert. In Konstanz sei die Abfallmenge im öffentlichen Raum nach Einführung der Steuer um rund 22 Tonnen gesunken. Die DUH fordere deshalb weiterhin, Einweg-Verpackungssteuern als wirksames Instrument für weniger Abfälle und mehr Mehrweg einzusetzen.

Mehrwegpotenziale werden unterschätzt

Eva Badem, Projektmanagerin Mehrweg beim WWF Deutschland, kritisiert, die Studie verwechsle Ursache und Wirkung. Sie bewerte Mehrweg auf Grundlage des heutigen Zustands, in dem entsprechende Systeme vielerorts noch nicht ausreichend verbreitet seien. Dadurch würden niedrige Umlaufzahlen als Argument gegen Mehrweg herangezogen.

Gerade die Verpackungssteuer könne jedoch dazu beitragen, dass mehr Menschen Mehrwegangebote nutzten. Bereits bei wenigen Umläufen könne Mehrweg ökologische Vorteile gegenüber Einweg aufweisen. Mehrwegsysteme berichteten in Städten mit Verpackungssteuer bereits von steigenden Rücklauf- und Nutzungszahlen. Wer diese Entwicklung nicht berücksichtige und Mehrwegbehälter stattdessen als zusätzliches Verpackungsaufkommen verbuche, unterschätze das Potenzial der Wiederverwendung.

Umweltwirkungen nur teilweise berücksichtigt

Die Studie konzentriert sich zudem wesentlich auf Treibhausgasemissionen. Andere relevante Umweltwirkungen wie Ressourcen- und Wasserverbrauch, Flächeninanspruchnahme sowie die Folgen von Plastikverpackungen in der Umwelt werden dagegen nicht angemessen berücksichtigt.

Dabei entfallen auf Verpackungen in der EU rund 40 Prozent des Neukunststoffverbrauchs und 50 Prozent des Papierverbrauchs sowie 36 Prozent des kommunalen festen Abfalls.

Wirtschaftliche Bilanz der Steuer bleibt unvollständig

Auch die wirtschaftliche Bewertung greift nach Einschätzung der Initiative zu kurz. Verwaltungskosten werden als Argument gegen die Effizienz der Steuer angeführt, ohne die daraus erzielten Einnahmen und deren Entwicklung ausreichend gegenüberzustellen.

In Tübingen standen im Jahr 2022 rund 100.000 Euro Personalkosten Einnahmen von etwa einer Million Euro gegenüber. In Konstanz lagen die Einnahmen 2025 ebenfalls bei mehr als einer Million Euro, während sich die Personalkosten auf rund 60.000 Euro beliefen.

Verpackungssteuer stärkt kommunale Mehrwegstrategien

Dr. Klaus von Zahn, Leiter des Umweltschutzamts der Stadt Freiburg, erklärt, die Studie bestätige, dass eine Verpackungssteuer die Umstellung auf Mehrweglösungen erheblich fördern könne. Anders als in der Studie angedeutet, bestehe ihr Ziel nicht darin, das gesamte Verpackungsaufkommen oder die CO₂-Emissionen Deutschlands messbar zu reduzieren.

Vielmehr solle sie Mehrweg und Ressourcenschonung innerhalb des kommunalen Handlungsspielraums voranbringen. Diesen Spielraum nutzten die Kommunen, die eine entsprechende Steuer eingeführt hätten, aktiv.

Einnahmen übersteigen Verwaltungskosten deutlich

Helge Kropat, Abteilungsleiter der Kämmerei Abteilung Steuern der Stadt Konstanz, berichtet, die Erfahrungen in Konstanz zeigten, dass sich die Verpackungssteuer wirtschaftlich deutlich rechne. Die Einnahmen lägen sogar wesentlich höher als ursprünglich erwartet.

Für das erste Jahr der Verpackungssteuer ergebe sich derzeit ein Kosten-Nutzen-Verhältnis von 1:20. Eine isolierte Betrachtung der Verwaltungskosten, wie sie in der Branchenstudie vorgenommen werde, bilde das tatsächliche Kosten-Nutzen-Verhältnis deshalb nicht angemessen ab.

Dieser Text beruht auf einer Pressemitteilung der Deutschen Umwelthilfe (DUH e.V.) vom 25.08.2026 und wurde unter Zuhilfenahme von KI redaktionell aufgearbeitet