Während auf der COP30 in Belém über wirksamen Klimaschutz und den Schutz der Tropenwälder verhandelt wird, weisen mehrere deutsche Umweltorganisationen darauf hin, dass die EU-Mitgliedstaaten in Brüssel gleichzeitig eines ihrer wichtigsten Instrumente zum Waldschutz gefährden. Nach Aussage des Bündnisses drohe die EU-Waldschutzverordnung (EUDR) in den kommenden Wochen unter dem Vorwand der Entbürokratisierung deutlich geschwächt und erneut verschoben zu werden.
Kritik am Umgang mit der EUDR
Die beteiligten Organisationen erklärten, es handle sich um einen klimapolitischen Tiefpunkt für die europäische Umweltpolitik. Sie bemängelten, dass die EUDR gerade jetzt zu einem Spielball kurzfristiger Lobbyinteressen werde, obwohl sie eigentlich den EU-Anteil an der globalen Entwaldung reduzieren und einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz leisten solle.
Deutsche Rolle und Ratsentscheidungen
Nach Angaben der Verbände spielt insbesondere Deutschland eine zentrale Rolle dabei, die über Jahre ausgehandelte Verordnung inhaltlich zu entkernen. Der Rat habe am Mittwoch weitgehend einem deutschen Vorschlag entsprochen: Der Starttermin der EUDR solle um ein Jahr verschoben, zahlreiche Ausnahmen für Unternehmen vorgesehen und das Prinzip einer vollständig rückverfolgbaren Lieferkette aufgegeben werden. Zudem solle die EU-Kommission beauftragt werden, die Verordnung grundlegend zu überarbeiten. Nach Einschätzung der Umweltorganisationen würde die EUDR dadurch weitgehend ihre Wirksamkeit verlieren.
Appell an das Europäische Parlament
Die Organisationen fordern das Europäische Parlament auf, die Ratsvorschläge in der kommenden Woche zurückzuweisen. Sie betonten, eine starke Waldschutzverordnung sei ein zentrales Instrument zur Eindämmung des Raubbaus an Wäldern. Wer Wälder und Klima schützen wolle, dürfe wirksame Maßnahmen nicht weiter verzögern oder wirtschaftlichen Interessen unterordnen. Nach Auffassung der Verbände könne die EU nur mit einer unverfälschten und starken EUDR glaubwürdig bleiben und einen substantiellen Beitrag zum Klimaschutz leisten.
Hintergrund zur EUDR
Die Waldschutzverordnung soll Importe und den Handel mit Produkten verhindern, die mit Entwaldung oder Waldschädigung in Verbindung stehen. Betroffen sind unter anderem Soja, Palmöl, Kakao, Kaffee, Rindfleisch, Leder, Kautschuk und Holzprodukte. Analysen zufolge werden durch den Konsum in der EU weltweit jedes Jahr rund 50 Millionen Bäume gefällt. Eine konsequente Umsetzung der EUDR könne Millionen Tonnen an Treibhausgasemissionen verhindern. Gleichzeitig würde bereits eine Verzögerung um ein Jahr laut Studien zu zusätzlichen 16,8 Millionen Tonnen importierter CO₂-Emissionen führen.
Dieser Text beruht auf einer gemeinsamen Pressemitteilung von BUND, DUH, Greenpeace, NABU, ROBIN WOOD und WWF Deutschland des 20.11.2025












