NRW startet Initiative für mehr Grün und weniger Beton

Fabian

Pflanze entsprießt aus Beton
© Azizi Azman / stock.adobe.com

Nordrhein-Westfalen bündelt seine Aktivitäten zur Entsiegelung von Flächen in einer landesweiten Initiative. Ziel ist es, versiegelte Böden wieder wasserdurchlässig zu machen, mehr Grün in die Städte zu bringen und die Folgen von Hitze und Starkregen abzumildern. Umweltminister Oliver Krischer stellte die Entsiegelungsinitiative NRW am 11. September 2026 in Euskirchen vor.

Landesweite Initiative soll Entsiegelung voranbringen

Rund 12,4 Prozent der Fläche Nordrhein-Westfalens sind versiegelt. Diese Böden heizen sich im Sommer stark auf und können kaum Regenwasser aufnehmen. Dadurch verstärken sich die Hitze in den Städten und das Risiko von Überflutungen.

Um dem entgegenzuwirken, hat das Ministerium für Umwelt, Naturschutz und Verkehr gemeinsam mit dem Trägerkreis „Allianz für die Fläche“, einem Bündnis aus rund 30 Fachleuten, eine Entsiegelungsinitiative ins Leben gerufen. Sie soll bestehende Fördermöglichkeiten, erfolgreiche Praxisbeispiele, Initiativen und Hilfestellungen zusammenführen und dafür sorgen, dass diese in möglichst vielen Orten Nordrhein-Westfalens genutzt werden.

Euskirchen zeigt, wie ehemalige Industrieflächen neu genutzt werden können

Als Beispiel für einen nachhaltigen Umgang mit Flächen dient das Quartier „City Süd“ in Euskirchen. Auf dem rund 6.000 Quadratmeter großen Gelände eines ehemaligen Gaswerks entsteht nach umfangreicher Sanierung ein neues Stadtquartier.

Die Fläche war zuvor vollständig überbaut. Zudem waren Boden und Grundwasser durch die frühere industrielle Nutzung stark belastet. Nach der Sanierung durch den AAV – Verband für Flächenrecycling und Altlastensanierung wird das Gelände nun für Wohnungen, Büros, ein Hotel und eine Kindertagesstätte genutzt.

Durch die Umwandlung der ehemaligen Industriefläche im Stadtzentrum kann Euskirchen zusätzliche Bauflächen am Ortsrand vermeiden und gleichzeitig neue Nutzungsmöglichkeiten innerhalb der Stadt schaffen.

Bürgermeister Sacha Reichelt erklärte, dass die Stadt Euskirchen möglichst jede Gelegenheit nutzen wolle, um auf weitere Flächenversiegelungen zu verzichten und stattdessen mehr Grün in der Innenstadt zu schaffen. Erst kürzlich sei nach dem hochwasserbedingten Abriss des City-Forums mit dem Klostergarten eine große Grünfläche im Herzen der Stadt entstanden. Auch das neue Quartier „City Süd“ solle künftig Platz für grüne Oasen bieten.

Landesregierung will zusätzliche Flächenversiegelung reduzieren

In ihrer Nachhaltigkeitsstrategie hat sich die nordrhein-westfälische Landesregierung das Ziel gesetzt, die Zunahme der Bodenversiegelung bis 2030 gegenüber dem Jahr 2024 zu verringern.

Darüber hinaus soll die zusätzliche Flächeninanspruchnahme für Siedlungs- und Verkehrszwecke zeitnah auf fünf Hektar pro Tag reduziert werden. Langfristig strebt das Land durch weitere konkrete Maßnahmen eine vollständige Flächenkreislaufwirtschaft an.

Zahlreiche Fördermöglichkeiten für Kommunen und Privatpersonen

Für die Entsiegelung von Flächen stehen in Nordrhein-Westfalen bereits verschiedene Förderprogramme zur Verfügung. Sie unterstützen unter anderem die Umgestaltung von Schul- und Kitahöfen, Parkplätzen, öffentlichen Plätzen und Brachflächen. Bund und Land übernehmen dabei je nach Förderprogramm bis zu 90 Prozent der Kosten.

Auch private Eigentümerinnen und Eigentümer können Zuschüsse erhalten, beispielsweise über das Haus- und Hofflächenprogramm.

Neben der finanziellen Unterstützung bietet das Land praktische Hilfsmittel für die Planung und Umsetzung von Entsiegelungsmaßnahmen. Der Online-Klimaatlas NRW zeigt mit einer Auflösung von einem halben Meter, welche Flächen versiegelt sind. Das Förder-Navi der Kommunalberatung Klimafolgenanpassung NRW informiert über passende Förderprogramme.

Beratung erhalten Interessierte beim ANK-Regionalbüro NRW sowie bei der Kommunalberatung Klimafolgenanpassung NRW des Landesamtes für Natur, Umwelt und Klima Nordrhein-Westfalen (LANUK).

Umweltminister Krischer setzt auf Zusammenarbeit und erfolgreiche Praxisbeispiele

Umweltminister Oliver Krischer betonte, dass es bereits zahlreiche Fördermöglichkeiten gebe. Mit der neuen Initiative wolle das Land erfolgreiche Beispiele bekannter machen und die Zusammenarbeit zwischen Landesregierung, Kommunen und Wirtschaft stärken.

Jeder Quadratmeter, der entsiegelt und begrünt werde, komme den Menschen in den Städten zugute. Das Beispiel Euskirchen verdeutliche, dass die Umgestaltung auch auf ehemaligen innerstädtischen Industrieflächen gelingen könne.

„Allianz für die Fläche“ unterstützt die Initiative

Der Trägerkreis „Allianz für die Fläche“ engagiert sich bereits seit 2006 für einen sparsamen Umgang mit Flächen in Nordrhein-Westfalen. Ihm gehören rund 30 Fachleute aus Ministerien, Kommunen, kommunalen Spitzenverbänden, Verbänden, Kammern, Wirtschaft und Wissenschaft an.

Mit einer gemeinsamen Erklärung unterstützen die Mitglieder die neue Entsiegelungsinitiative. Sie wollen innerhalb ihrer Organisationen und Netzwerke für die Ziele werben, erfolgreiche Praxisbeispiele einbringen und ihre Erfahrungen weitergeben.

Dr. Roland Arnz, Geschäftsführer des AAV – Verband für Flächenrecycling und Altlastensanierung, erklärte, dass ehemalige Gewerbeflächen nahezu immer vollständig versiegelt und häufig mit Schadstoffen belastet seien. Durch ihre Sanierung und anschließende Neunutzung könnten Städte sowohl neue Bauflächen als auch zusätzliche Grünflächen gewinnen.

Online-Veranstaltung informiert über Förderungen und Praxisbeispiele

Für den 17. September 2026 wurde eine erste Online-Veranstaltung zur Entsiegelungsinitiative NRW angekündigt. Auf dem Programm standen Zahlen zur Flächenversiegelung, Informationen zu Fördermöglichkeiten sowie ein Praxisbeispiel aus der Stadt Mönchengladbach.

Dieser Text beruht auf einer Pressemitteilung des Ministeriums für Umwelt, Naturschutz und Verkehr des Landes NRW vom 11.09.2026 und wurde unter Zuhilfenahme von KI redaktionell aufgearbeitet