Mit dem Ziel, Hochwasser auch an kleineren Flüssen präziser und schneller vorhersagen zu können, treibt das Land Nordrhein-Westfalen den Hochwasserschutz weiter voran. Umweltminister Oliver Krischer besuchte das vom Land geförderte Forschungsprojekt HüPros (Hochwasser- und Überflutungsprognosesystem) in Aachen-Kornelimünster. Das Modellprojekt nutzt dichte Sensornetze und künstliche Intelligenz, um Wasserstände, Niederschläge und Bodenfeuchte in den Einzugsgebieten von Inde und Vicht in Echtzeit zu erfassen und dadurch frühzeitigere Prognosen zu ermöglichen. Der Minister betonte, dies sei wichtig, um im Ernstfall wertvolle Zeit zu gewinnen. Kornelimünster habe 2021 erfahren, wie schnell eine Situation kritisch werden könne. Die Forschung trage dazu bei, die Sicherheit besonders dort zu erhöhen, wo kleine Gewässer große Schäden verursachen könnten.
Innovative Technologien und Kooperationen
HüPros integriert moderne Technologien und richtet den Fokus auf kleinere Gewässer. Besonders hervorzuheben sei die enge Kooperation zwischen wissenschaftlichen Einrichtungen und der praktischen Wasserwirtschaft. Initiiert wurde das Projekt vom Wasserverband Eifel-Rur (WVER). Beteiligt sind außerdem die Universität Duisburg-Essen, die RWTH Aachen, regioIT sowie das Forschungszentrum Jülich. Das Land unterstützt das Projekt mit 80 Prozent der Gesamtkosten in Höhe von 1,3 Millionen Euro. Ein HüPros-Sensor befindet sich unter einer Brücke direkt neben einem Hochwassermeldepegel des Landesamtes für Natur, Umwelt und Klima (LANUK). Das LANUK stellt Daten aus seinem amtlichen Messnetz zur Verfügung, wodurch Messwerte beider Systeme direkt verglichen und im Rahmen des Projekts ausgewertet werden können.
Bedeutung zuverlässiger Prognosen
Dr. Joachim Reichert, Vorstand des WVER, erklärte, der Verband gehe mit HüPros das komplexe Feld der Hochwasservorhersage mit innovativen Methoden an. Gemeinsam mit starken Projektpartnern verfolge man das Ziel, neben einer genauen Kenntnis des aktuellen Gewässerzustands verlässliche Prognosen zur Entwicklung der Wasserstände bei Hochwasserereignissen zu erstellen. Diese Informationen sollen den zuständigen Behörden bedarfsgerecht zur Verfügung stehen. Gerade in Zeiten des Klimawandels, in denen Starkregen- und Hochwasserereignisse zunehmen, sei eine bestmögliche Informationslage entscheidend, um Menschenleben zu schützen und Schäden zu verringern.
Funktionsweise des Sensorsystems
Vor Ort demonstrierten die Beteiligten, wie der HüPros-Sensor den Abstand zwischen Brücke und Wasser erfasst. Diese Daten sowie weitere Messungen entlang des Gewässerlaufs fließen in das Vorhersagesystem ein. Ziel sei der Aufbau eines flächendeckenden Prognosenetzes aus zahlreichen Messpunkten, um insbesondere lokalen Behörden und dem Katastrophenschutz verlässliche Informationen bereitzustellen.
Ausbau des landeseigenen Pegelnetzes
Parallel zu den Verbands- und Forschungsaktivitäten erweitert das Land sein eigenes Messnetz. Die angekündigten 26 neuen Hochwassermeldepegel sollen bis Jahresende installiert und an das LANUK-Netz angeschlossen werden. Alle Pegel erfüllen hohe Qualitätsstandards: Sie verfügen über zwei unabhängige Messsysteme und übermitteln Daten über getrennte Netzverbindungen an die Hochwasserzentrale des LANUK. Dort werden die Informationen rund um die Uhr ausgewertet, im Hochwasserportal.NRW veröffentlicht und in hydrologische Lageberichte sowie Warnsysteme integriert.
Dieser Text beruht auf einer Pressemitteilung des Ministeriums für Umwelt, Naturschutz und Verkehr des Landes NRW vom 22.10.2025












