Das Netz nordrhein-westfälischer Schutzgebiete für natürlich wachsende Wälder wird weiter ausgebaut. Nach dem Start im Siebengebirge werden nun auch landeseigene Waldflächen in den Kreisen Coesfeld und Unna Teil der sogenannten Wildnisentwicklungsgebiete. Rund 600 Hektar sollen zusätzlich ausgewiesen werden. Damit stehen künftig etwa 800 Hektar Landeswald in diesen Regionen dauerhaft für eine natürliche Entwicklung zur Verfügung – ein bedeutender Beitrag zur Förderung der Artenvielfalt und zur Bereicherung der Naturerfahrung in der Region.
Bedeutung der Wildniswälder für Biodiversität und Naturerleben
Umweltminister Oliver Krischer betonte bei einem Ortstermin gemeinsam mit den Landräten Dr. Christian Schulze Pellengahr (Coesfeld) und Mario Löhr (Unna), dass Wälder nicht nur Schutz, sondern auch Ruhe und Zeit für ihre natürliche Entwicklung benötigen. Er erklärte, Wildniswälder seien Rückzugsorte für bedrohte Arten und Schatzkammern der Biodiversität. Mit der Erweiterung des Wildnis-Netzwerks werde die naturnahe Waldentwicklung in der Region gezielt gestärkt.
Strukturreiche Laubwälder mit hoher Artenvielfalt
Die neuen Flächen bestehen vorwiegend aus Laubwäldern, die auf nährstoffreichen, wechselfeuchten Böden wachsen. In einigen Beständen wurden bis zu 14 verschiedene Baumarten festgestellt. Viele dieser Waldbereiche verfügen bereits über eine mehrschichtige Struktur und sind reich an natürlichen Elementen. Teilweise sind die Gebiete bereits als Naturschutzgebiete ausgewiesen und erweitern somit sinnvoll das bestehende Netz von Wildnisentwicklungsflächen.
Weitere Flächen für natürliche Waldentwicklung geplant
Landwirtschaftsministerin Silke Gorißen betonte, dass die Landesregierung die Ziele der Wildnisentwicklung aktiv unterstütze. Sie erklärte, man wolle nach und nach weitere landeseigene Waldflächen in die natürliche Entwicklung überführen. Diese Gebiete würden so für die Bevölkerung erlebbar gemacht und zugleich die Biodiversität gefördert. Es werde dabei ausschließlich auf geeignete, im Landesbesitz befindliche Flächen zurückgegriffen.
Betreuung durch Wald und Holz NRW
Der Landesbetrieb Wald und Holz Nordrhein-Westfalen übernimmt die Betreuung der neuen Flächen. Dies schließt Umweltbildungsangebote ein, um Besucherinnen und Besuchern die Wildnisentwicklung näherzubringen. Gleichzeitig werde sichergestellt, dass die langfristige Rohholzversorgung aus dem Staatswald nicht gefährdet wird. Die fachliche Abgrenzung der Gebiete erfolgt durch das Landesamt für Natur, Umwelt und Klima NRW in Zusammenarbeit mit dem Landesbetrieb.
Engagement der regionalen Forstämter
Adalbert Koch, Leiter des Regionalforstamts Münsterland, äußerte sich zuversichtlich über die Betreuung und Weiterentwicklung der Wildniswälder im Raum Nordkirchen. Er kündigte an, die bewährte Zusammenarbeit mit dem Naturschutz werde fortgeführt und weiter ausgebaut.
Ausbau des Wildnisnetzwerks in NRW
Nordrhein-Westfalen verfügt bereits über mehr als 100 Wildnisentwicklungsgebiete, 75 Naturwaldzellen sowie Schutzzonen im Nationalpark Eifel. Bis 2026 plant die Landesregierung, das Wildnisnetz im Landeswald um weitere 5.000 Hektar auszuweiten. Bereits am 8. Juli 2025 hatten Umweltminister Krischer und Landwirtschaftsministerin Gorißen die gemeinsame Initiative im Siebengebirge gestartet. Mit der geplanten Erweiterung sollen künftig rund 15 Prozent des Landeswaldes sowie zwei Prozent der gesamten Waldfläche Nordrhein-Westfalens einer natürlichen Entwicklung überlassen werden.
Lebensraum für bedrohte Arten und Klimaschutz
In Wildnisentwicklungsgebieten können Bäume ihr volles Alter erreichen und dienen als Alt- oder Totholz zahlreichen seltenen Arten als Lebensraum. Schwarzspechte nutzen alte Buchen zum Höhlenbau, die wiederum Hohltauben, Fledermäusen und Käuzen Unterschlupf bieten. Auch der Hirschkäfer, der Eremit und verschiedene Bockkäferarten sind auf alte Bäume angewiesen. Wildkatzen ziehen sich zur Aufzucht ihrer Jungen bevorzugt in ungestörte Wälder zurück. Neben ihrer hohen Bedeutung für die Artenvielfalt leisten diese Wälder einen wichtigen Beitrag zum natürlichen Klimaschutz, bieten Forschungsgrundlagen und ermöglichen eindrucksvolle Naturerlebnisse.
Dieser Text beruht auf einer Pressemitteilung des Ministeriums für Umwelt, Naturschutz und Verkehr des Landes NRW vom 14.08.2025












