NRW beschleunigt Windenergie-Ausbau mit digitalem AFB-Tool

Fabian

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Die Landesregierung Nordrhein-Westfalen treibt den Ausbau erneuerbarer Energien weiter voran. Ein zentraler Baustein ist die Beschleunigung von Planungs- und Genehmigungsverfahren für Windenergieanlagen. Mit dem neuen Artenschutzfachbeitrag-Tool (AFB-Tool) steht nun ein digitales Instrument zur Verfügung, das diese Prozesse deutlich vereinfachen und beschleunigen soll.

Entwicklung und Zielsetzung des Tools

Das Instrument wurde im Auftrag des Ministeriums für Umwelt, Naturschutz und Verkehr gemeinsam mit dem Ministerium für Wirtschaft, Industrie, Klimaschutz und Energie entwickelt. Die Umsetzung erfolgte durch das Landesamt für Natur, Umwelt und Klima (LANUK). Ziel sei es, die Prüfung von Artenschutzbelangen bei Windenergieprojekten digital, transparenter und schneller zu gestalten.

Abbau von Bürokratie bei gleichbleibendem Artenschutz

Umweltminister Oliver Krischer erklärte, dass durch das Tool zeitaufwendige Bürokratie reduziert und Genehmigungsverfahren deutlich verkürzt würden. Gleichzeitig bleibe das hohe Niveau des Artenschutzes unverändert, da das Verfahren auf landesweit verfügbare Daten zu sensiblen Arten wie Rotmilan, Schwarzstorch und Fledermäusen zurückgreife.

Impuls aus der Energietransformation

Wirtschaftsministerin Mona Neubaur betonte, Nordrhein-Westfalen nehme eine Spitzenposition bei der Windenergie in Deutschland ein. Grundlage dafür sei unter anderem die Arbeit der Task-Force Industrie- und Energietransformation gewesen, aus der auch die Idee für das AFB-Tool hervorgegangen sei. Das Tool zeige, wie Hindernisse beim Ausbau der Windenergie schrittweise abgebaut und die Rahmenbedingungen weiter verbessert würden.

Verbindung von Natur- und Klimaschutz

LANUK-Präsidentin Elke Reichert hob hervor, dass das AFB-Tool ein Beispiel dafür sei, wie Natur- und Klimaschutz gemeinsam umgesetzt werden könnten. Die Bündelung beider Kompetenzen im LANUK stelle eine besondere Stärke dar. Dadurch könne die artenschutzrechtliche Prüfung digital vereinfacht und ein naturverträglicher Ausbau der Windenergie unterstützt werden.

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Bedeutung des Artenschutzfachbeitrags

Bei der Planung und Genehmigung von Windenergieanlagen müssen mögliche Auswirkungen auf geschützte Tier- und Pflanzenarten geprüft werden. Der Artenschutzfachbeitrag (AFB) bildet dabei einen zentralen Bestandteil des Genehmigungsverfahrens. Antragstellende weisen damit nach, dass geschützte Arten nicht gefährdet werden. Bisher mussten dafür häufig aufwendige Kartierungen durchgeführt werden. Diese entfallen nun, da über eine digitale Schnittstelle auf vorhandene Daten der öffentlichen Hand zugegriffen werden kann. Gleichzeitig wird die behördliche Prüfung digitalisiert und erheblich vereinfacht. Damit nutzt Nordrhein-Westfalen das durch europäische Vorgaben geschaffene Beschleunigungspotenzial bestmöglich.

Automatisierung und digitale Prozesse

Das AFB-Tool ermöglicht eine automatisierte Durchführung behördlicher Prüfungen. Per Knopfdruck wird ein Artenschutzfachbeitrag erstellt – ohne Einsatz von Künstlicher Intelligenz –, der relevante Arten sowie mögliche Vermeidungs- und Minderungsmaßnahmen berücksichtigt. Das System greift direkt auf bestehende Naturschutzdatenbanken zu und bewertet notwendige Schutzmaßnahmen nach landesweit einheitlichen Standards innerhalb weniger Sekunden. Es ergänzt damit bestehende Maßnahmen zur Beschleunigung von Planungs- und Genehmigungsverfahren.

Verpflichtende Nutzung und Schulungen

Das Tool ist ab sofort für alle immissionsschutzrechtlichen Genehmigungsverfahren in ausgewiesenen Beschleunigungsgebieten verpflichtend. Fachgutachterinnen und -gutachter sowie Mitarbeitende der zuständigen Behörden werden entsprechend geschult. Zudem prüft das System automatisch die Vorgaben für Vermeidungs- und Minderungsmaßnahmen gemäß dem Windenergieflächenbedarfsgesetz (§ 6b WindBG). Auch die Erstellung artenschutzrechtlicher Stellungnahmen erfolgt künftig verbindlich über dieses standardisierte digitale Verfahren.

Umsetzung europäischer Vorgaben

Das bundesweit bislang einzigartige Verfahren unterstützt die Umsetzung europäischer Vorgaben zum beschleunigten Ausbau erneuerbarer Energien. Die integrierte digitale Prüfung von Artenschutzbelangen trägt dazu bei, Genehmigungsprozesse sowohl rechtssicher als auch deutlich schneller zu gestalten.

Rekord beim Windkraftausbau

Nordrhein-Westfalen konnte im Jahr 2025 einen neuen Rekord beim Ausbau der Windenergie verzeichnen. Mit Genehmigungen für insgesamt 6,1 Gigawatt wurde die Leistung gegenüber 2024 (4,4 Gigawatt) deutlich gesteigert. Im bundesweiten Vergleich liegt das Land damit an der Spitze, da mehr als jede dritte Windenergieanlage in Deutschland in Nordrhein-Westfalen genehmigt wurde. Auch die Ausschreibungsergebnisse bestätigen diesen Trend: Projekte mit einer Leistung von 4,2 Gigawatt erhielten im Jahr 2025 einen Zuschlag.

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Dieser Text beruht auf einer Pressemitteilung des Ministeriums für Umwelt, Naturschutz und Verkehr des Landes NRW vom 19.03.2026 und wurde unter Zuhilfenahme von KI redaktionell aufgearbeitet