Eine neue Kurzstudie des Forums Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft e.V. (FÖS), die im Auftrag des Bunds für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) erstellt wurde, verdeutlicht die zentrale Rolle eines hohen Anteils erneuerbarer Energien für das Erreichen der Klimaziele bis 2030. Derzeit werde öffentlich über eine mögliche Korrektur der Stromverbrauchsprognose für 2030 diskutiert. Im Zuge dessen stünden auch Pläne im Raum, den Ausbau erneuerbarer Energien zu verlangsamen. Auch die Bundeswirtschaftsministerin plane, diese Thematik im Rahmen ihres „Energiewende Monitorings“ bis Herbst aufzugreifen. Die Berechnungen des FÖS zeigten, dass eine Senkung des angenommenen Bruttostrombedarfs und ein damit verbundener geringerer Ausbau erneuerbarer Energien zu erheblichen Mehremissionen führen würden. In den Bereichen Verkehr, Gebäude und Industrie müssten dann fossile Energieträger anstelle von Ökostrom eingesetzt werden. Besonders problematisch sei eine zusätzliche Reduzierung des Erneuerbaren-Ziels von 80 auf 65 Prozent am Bruttostromverbrauch: In diesem Fall würden die entstehenden Mehremissionen im Jahr 2030 rund 18 Prozent der laut Klimaschutzgesetz zulässigen Gesamtemissionen ausmachen.
Energiesektor als bisheriger Klimaschützer
Der Energiesektor sei aktuell der einzige Bereich, der seine Klimaziele einhalte. Durch den Ausbau erneuerbarer Energien würden Emissionsminderungen erzielt, die bisherige Defizite in den Sektoren Gebäude, Verkehr und Industrie zumindest teilweise kompensierten.
Ausbaupfad darf nicht unterschritten werden
Caroline Gebauer, Leiterin für nationale Klimaschutz- und Energiepolitik beim BUND, erklärte, dass der Ausbau erneuerbarer Energien entscheidend dafür sei, das CO₂-Budget bis 2030 einzuhalten. Ihrer Einschätzung nach befinde sich die Energiewende gerade erst auf dem richtigen Kurs und müsse nun konsequent weiterverfolgt werden. Für die Elektrifizierung in Verkehr, Gebäuden und Industrie werde günstiger Ökostrom benötigt. Eine vorschnelle Begrenzung des Angebots behindere nicht nur Investitionen in Zukunftstechnologien wie Wärmepumpen oder Elektroautos, sondern führe auch zu einem Festhalten an fossilen Strukturen.
Szenarien mit massiven Mehremissionen
Die Studie warne davor, die jährlichen Zubaumengen aufgrund einer niedrigeren Stromverbrauchsprognose zu reduzieren oder das 80-Prozent-Erneuerbaren-Ziel für 2030 abzusenken. In solchen Szenarien sei mit massiven Mehremissionen zu rechnen. Bei unverändertem Ziel und gesenktem Bruttostrombedarf würden diese laut FÖS etwa sieben Prozent betragen (32 Mio. Tonnen im Jahr 2030). Im Fall eines auf 65 Prozent reduzierten Ziels könnten sie auf bis zu 18 Prozent steigen (79 Mio. Tonnen).
Warnung vor fossilem Lock-In
Gebauer äußerte sich kritisch zur aktuellen Diskussion über eine Abschwächung der Energiewende. Diese komme zu einem völlig falschen Zeitpunkt und sei hochriskant. Ihrer Meinung nach sei es ein Versuch der Gaslobby, durch den Bau klimaschädlicher Gaskraftwerke ihre Geschäftsmodelle zu sichern. Sie forderte die Bundesregierung auf, an den Ausbauzielen für erneuerbare Energien festzuhalten, die Elektrifizierung voranzutreiben und so auch in den Sektoren Gebäude, Verkehr und Industrie die notwendigen Emissionsminderungen zu realisieren. Der Ausbau erneuerbarer Energien sei nicht eine nachgelagerte Maßnahme, sondern eine zentrale Voraussetzung für das Gelingen der Klimaschutzstrategie.
Folgen für Strompreise und Versorgungssicherheit
Eine Abschwächung der Ausbauziele hätte laut Studie nicht nur negative Auswirkungen auf die Klimaziele, sondern würde auch zu steigenden Börsenstrompreisen führen. Dies erhöhe das Risiko eines fossilen Lock-Ins und verschärfe die Unsicherheit für klimafreundliche Investitionen. Zudem drohten bei einer zunehmenden Abhängigkeit von fossilen Brennstoffimporten neue Risiken für die Versorgungssicherheit.
Dieser Text beruht auf einer Pressemitteilung des BUND’s vom 11.07.2025












