Industriefischerei gefährdet Schutzgebiet Doggerbank

Fabian

Industriefischerei
© shocky / stock.adobe.com

Jährlich würden in der Nordsee etwa 250.000 Tonnen Sandaale ausschließlich für die Futtermittelproduktion gefangen. Laut einer aktuellen Analyse des Bunds für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) betreffe dies auch das Meeresschutzgebiet Doggerbank. Dabei kämen besonders schädliche Grundschleppnetze zum Einsatz. Die gefangenen Sandaale würden ausschließlich zur Herstellung von Fischmehl und Fischöl verwendet, die in Aquakulturen sowie in der landbasierten Massentierhaltung eingesetzt werden. Mit einer Petition fordere der BUND vom Bundesfischereiminister Alois Rainer ein Ende dieser Praktiken. Fast 60.000 Menschen hätten sich der Forderung bereits angeschlossen.

Zentrale Kritik des BUND

BUND-Fischereiexpertin Valeska Diemel erklärte, die Auswertung von Fischereidaten habe ergeben, dass jährlich etwa 250.000 Tonnen Sandaale ausschließlich zur Futtermittelproduktion gefangen würden, davon 94.000 Tonnen im Gebiet der Doggerbank. Diese Sandbank, die als Herz der Nordsee gelte, sei besonders empfindlich. Die Expertin betonte, die Umweltzerstörung müsse beendet und ein Verbot von Grundschleppnetzen in Schutzgebieten längst umgesetzt werden.

Ökologische Bedeutung der Sandaale

Sandaale nähmen im Nahrungsnetz der Nordsee eine zentrale Rolle ein. Auf der Doggerbank fänden sie ideale Lebensbedingungen und bildeten große Schwärme. Viele Tierarten wie Minkwale, Schweinswale, Seehunde, Kegelrobben und Seevögel wie der Papageientaucher seien auf den Sandaal als nährstoffreiche Nahrungsquelle angewiesen.

Diemel wies darauf hin, dass die jährlich auf der Doggerbank gefangene Menge an Sandaalen ausreiche, um 3,4 Millionen Papageientaucher ein Jahr lang zu ernähren. Die Industriefischerei bedrohe somit unmittelbar die Tierwelt in der Region.

Grundschleppnetzfischerei und MSC-Zertifizierung

Die Fischerei auf Sandaale erfolge ausschließlich mit Grundschleppnetzen, da diese Fische einen Großteil ihres Lebens im sandigen Meeresboden verbringen. Grundschleppnetze stellten eine gravierende Gefahr für die marine Artenvielfalt dar. Dabei würden schwere Netze über den Meeresboden gezogen, um große Mengen Fisch zu fangen. Um die kleinen Sandaale mit einer Größe von 20 bis 40 Millimetern zu fangen, seien die Maschen auf weniger als 16 Millimeter reduziert.

Auch interessant:  Unsicherheiten und Herausforderungen bei der Entwicklung des Wasserstoffkernnetzes

Diemel erklärte, diese Netze ähnelten eher einem Sieb und verursachten massiven Beifang sowie Zerstörung des Meeresbodens. Trotz dieser Auswirkungen sei die Fischerei vom Marine Stewardship Council (MSC) als „nachhaltig“ zertifiziert worden. Aus ihrer Sicht sei das Einzige Nachhaltige an dieser Praxis die fortgesetzte Zerstörung des Ökosystems.

Verwendung der Sandaale als Futtermittel

Die Sandaale würden aufgrund ihres hohen Fettgehalts fast ausschließlich zur Produktion von Fischmehl und Fischöl genutzt. Nur etwa zehn Prozent dieser Produkte entstammten Nebenprodukten der Fischverarbeitung; der überwiegende Teil bestehe aus gezielt gefangenen Fischen wie dem Sandaal oder Beifang. Weltweit gingen 87 Prozent des Fischmehls und 74 Prozent des Fischöls in die Aquakultur, insbesondere in Europa in die norwegische Lachszucht.

Der BUND fordere daher den Bundesminister auf, Verantwortung zu übernehmen und die Fischerei im Schutzgebiet Doggerbank zu beenden. Obwohl bereits über 56.000 Menschen unterschrieben hätten, sei die Annahme der Petition vom Minister abgelehnt worden.

Hintergrund zur Doggerbank und Petition

Die Doggerbank umfasst rund 25.000 Quadratkilometer und ist damit etwa siebenmal so groß wie Mallorca. Sie liegt inmitten der Nordsee und erstreckt sich über die Gewässer Großbritanniens, der Niederlande, Deutschlands und Dänemarks.

Meeresschutzgebiete wie die Doggerbank seien essenziell für den Erhalt der biologischen Vielfalt. Die Ausweisung als Schutzgebiet bedeute jedoch nicht automatisch ein Verbot schädlicher Nutzungspraktiken. Ohne konkrete Regelungen bleibe beispielsweise die Grundschleppnetzfischerei weiterhin erlaubt.

Im Juli 2025 startete der BUND eine Petition zum Schutz des deutschen Teils der Doggerbank. Bislang hätten über 56.000 Menschen unterzeichnet. Die Übergabe der Unterschriften sei jedoch vom Minister abgelehnt worden. Die Petition laufe noch bis zum 20. Oktober 2025.

Auch interessant:  Neue Klimastrategie: Messbare Ziele für eine widerstandsfähige Zukunft

Dieser Text beruht auf einer Pressemitteilung des BUND vom 15.10.2025