Zum morgigen Welttag des Bodens (5. Dezember) wird der „Boden des Jahres 2026“ präsentiert: der Archivboden. Dieser Bodentyp dient dazu, außergewöhnlich viele und gut erhaltene Informationen über die Natur- und Kulturgeschichte eines Ortes zu bewahren. Der Welttag soll verdeutlichen, dass gesunde Böden nicht nur Hotspots der Biodiversität und essenziell für Ernährungssicherheit, Klima- und Wasserschutz sind, sondern zugleich als lebendige Archive fungieren. In ihnen finden sich oft jahrhunderte- bis jahrtausendealte Spuren früherer Landschaften, menschlicher Aktivitäten und klimatischer Veränderungen. Allerdings sind diese Archive zunehmend gefährdet – etwa durch Flächenversiegelung, übermäßige land- und forstwirtschaftliche Nutzung sowie mangelnde Berücksichtigung in Planungsverfahren. Ihre Zerstörung ist endgültig und kann nicht rückgängig gemacht werden.
Neuer Rechtsrahmen zur Bodenüberwachung
Mit der neuen EU-Richtlinie zur Bodenüberwachung und zur Stärkung der Bodenresilienz – dem sogenannten Bodenüberwachungsgesetz –, die am 16. Dezember in Kraft tritt, entsteht erstmals ein verpflichtender rechtlicher Rahmen, um den Zustand der Böden systematisch zu erheben. Laut dem Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) stellt dies zwar einen bedeutenden ersten Schritt dar, reicht jedoch bei Weitem nicht aus.
Ziel: Einheitliche Datenerhebung und gesunde Böden bis 2050
Die Mitgliedstaaten müssen künftig einheitliche Methoden zur Überwachung anwenden. Dabei sollen physikalische, chemische und biologische Daten erhoben, feste Probenahmestellen definiert und regelmäßige Bewertungen vorgenommen werden. Bis 2050 soll europaweit eine gute Bodengesundheit erreicht werden. Der BUND betont jedoch, dass das Gesetz allein hierfür nicht ausreiche, da es zwar Transparenz schaffe, aber keine konkreten Schutzmechanismen beinhalte. So weist Tobias Witte, BUND-Experte für Bodenschutz, darauf hin, dass ohne verbindliche Schwellenwerte, klare Maßnahmen bei deren Überschreitung und ein umfassendes Konzept zur Wiederherstellung geschädigter Böden kein ausreichender Schutz gewährleistet werden könne.
Forderungen des BUND für ambitionierten Bodenschutz
Der BUND fordert daher:
- ein europaweit abgestimmtes Konzept zur Wiederherstellung von Böden sowie verbindliche Ziele zur Reduktion von Bodendegradation
- klare Schwellenwerte und verpflichtende Maßnahmen im Fall ihrer Überschreitung
- die Umsetzung eines Netto-Null-Flächenverbrauchs bis 2030 entsprechend den UN-Nachhaltigkeitszielen
- besonderen Schutz für wertvolle und seltene Böden wie Moore, Schwarzerden und Archivböden
- eine verlässliche Finanzierung für Monitoring, Schutzmaßnahmen und Wiederherstellungsprogramme
Nur durch klare Vorgaben, ehrgeizige Ziele und ausreichende Ressourcen können Europas Böden dauerhaft geschützt werden – und nur so bleibt der Boden ein lebendiges Archiv für heutige und zukünftige Generationen.
Dieser Text beruht auf einer Pressemitteilung des BUNDs vom 04.12.2025












