Berlin, 28. Juli 2025 – Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) übt scharfe Kritik an den Plänen von Chemiekonzernen und Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer, Umweltstandards im Zulassungsverfahren für Pestizide abzubauen. Die DUH sieht darin eine gezielte Einflussnahme durch Lobbyisten. Zuletzt sei dies besonders deutlich geworden durch die Forderung des Industrieverbands Agrar, dem Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) künftig die alleinige Entscheidungsbefugnis bei der Pestizidgenehmigung zu übertragen. Bislang müsse das BVL seine Entscheidungen gemeinsam mit dem Umweltbundesamt (UBA) im Einvernehmen treffen. Künftig solle die Rolle des UBA jedoch auf ein reines Anhörungsrecht beschränkt werden – dies werde mit einer angeblichen „Verschlankung des Zulassungsverfahrens“ begründet.
DUH: Umweltbundesamt als letzte Schutzinstanz
Jürgen Resch, Bundesgeschäftsführer der DUH, erklärte, die geplante Entmachtung des UBA im Zulassungsverfahren für Pestizide sei ein direkter Angriff auf den Umwelt- und Naturschutz sowie auf die Lebensmittelsicherheit und den Schutz der Gewässer in Deutschland. Laut Resch sei das UBA derzeit die einzige Institution, die im Genehmigungsverfahren auf Umweltaspekte achte und den Verkauf problematischer Pestizide verhindern könne. Das bestehende Vetorecht müsse daher unbedingt erhalten bleiben. Alles andere stelle ein unverantwortliches Risiko für den Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen dar.
Resch betonte außerdem, dass die Angriffe auf das UBA zu einem Zeitpunkt kämen, an dem erste juristische Erfolge gegen besonders gefährliche Pestizide erzielt worden seien. In mehreren Fällen habe man erhebliche umweltbezogene Bedenken bei der Zulassung von Pflanzenschutzmitteln aufdecken können. Gleichzeitig belegten wissenschaftliche Studien zunehmend die fortschreitende Belastung der Umwelt und der menschlichen Gesundheit durch langlebige Schadstoffe wie PFAS, auch bekannt als „Ewigkeitschemikalien“. Für die DUH sei daher klar: Eine Abschaffung der umweltfachlichen Beteiligung des UBA sei nicht hinnehmbar.
Pestizidzulassungen in Deutschland im europäischen Vergleich
Entgegen der Darstellung von Bauernverband und Chemieindustrie sei die Zahl der in Deutschland zugelassenen Pestizidwirkstoffe keineswegs geringer als im europäischen Ausland. Dies gehe aus Recherchen der taz hervor. Demnach seien in Deutschland laut EU-Kommission aktuell 281 Wirkstoffe zugelassen – mehr als in den Nachbarländern Niederlande (266), Österreich (248) und Polen (277). Zusätzlich seien im Jahr 2024 insgesamt 64 sogenannte Notfallzulassungen in Deutschland erteilt worden, häufig für Wirkstoffe, die auf EU-Ebene bereits verboten seien. Landwirtinnen und Landwirten stehe damit eine umfangreiche Auswahl an Mitteln zur Verfügung.
DUH: Risikobewertung zeigt Lücken statt Überregulierung
Die DUH weist darauf hin, dass die ökologische Risikobewertung keineswegs zu streng sei, wie häufig behauptet werde. Im Gegenteil: Es gebe sogar erhebliche Defizite im bisherigen Verfahren. Für die Umwelthilfe sei es daher unverständlich, warum die unabhängige Bewertung durch das UBA geschwächt werden solle, anstatt sie zu stärken.
Dieser Text beruht auf einer Pressemitteilung der Deutschen Umwelthilfe (DUH) vom 28.07.2025












