Eine aktuelle Analyse der Deutschen Umwelthilfe (DUH) zeigt das erhebliche Risiko für Schäden durch ein sogenanntes Jahrhunderthochwasser in allen deutschen Bundesländern auf. Demnach weisen zehn von sechzehn Bundesländern mindestens einen sehr hohen Risikograd auf. Besonders gefährdet sind Bayern, Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen – sie erreichen laut DUH sogar einen extremen Risikograd. Die DUH hat für diese Bewertung die potenziell bei einem Jahrhunderthochwasser betroffene Fläche mit der Anzahl gefährdeter Wohnadressen kombiniert. In Bayern befinden sich mit 65.517 die meisten Wohnadressen in möglichen Hochwassergebieten. Die höchsten Anteile an Risikoflächen im Verhältnis zur gesamten Landesfläche verzeichnen Nordrhein-Westfalen (6,8 %), Brandenburg (6,2 %) und Sachsen-Anhalt (5,9 %). Ein sogenanntes Jahrhunderthochwasser tritt statistisch gesehen etwa alle 100 Jahre auf – dieser Wert basiert jedoch auf historischen Messreihen. Die DUH weist darauf hin, dass sich infolge der Klimakrise sowie veränderter Landschaftsstrukturen solche Hochwasserereignisse künftig deutlich häufiger ereignen könnten.
DUH fordert stärkeren Fokus auf naturbasierten Hochwasserschutz
Sascha Müller-Kraenner, Bundesgeschäftsführer der DUH, betonte, dass die Flutkatastrophe im Ahrtal 2021 auf drastische Weise verdeutlicht habe, wie gefährlich die Auswirkungen der Klimakrise seien. Er erklärte, dass das steigende Risiko für Extremwetterereignisse und Jahrhunderthochwasser die Bundesländer vor große Herausforderungen stelle. Bislang würden jedoch nicht genügend Maßnahmen ergriffen, um hunderttausende potenziell betroffene Menschen zu schützen.
Nach Ansicht der DUH müsse der Fokus bei der Hochwasservorsorge künftig deutlich stärker auf naturbasierten Schutzmaßnahmen liegen. Flüsse und Bäche müssten wieder mehr Raum erhalten, und Wasser solle verstärkt in intakten Wäldern, Wiesen und Feuchtgebieten zurückgehalten werden.
Abfrage offenbart großen Nachholbedarf bei naturbasiertem Schutz
Eine zwischen 2014 und 2024 durchgeführte DUH-Abfrage bei allen Bundesländern zur Hochwasservorsorge und zum Monitoring zeigt laut der Organisation einen umfassenden Nachholbedarf beim naturbasierten Hochwasserschutz. Kein Bundesland habe die DUH mit einem durchgängigen, überzeugenden Gesamtkonzept aus Schutzmaßnahmen überzeugen können.
Technik dominiert weiterhin den Hochwasserschutz
Sabrina Schulz, stellvertretende Bereichsleiterin Naturschutz bei der DUH, kritisierte, dass in vielen Fällen weiterhin technische Maßnahmen gegenüber naturbasierten Lösungen bevorzugt würden. Diese technische Dominanz sei nicht nur kostenintensiv, sondern vergebe auch die Chance, zusätzliche positive Effekte für Biodiversität, Gewässerschutz und Dürrevorsorge zu erzielen.
Fünf zentrale Stellschrauben für besseren Hochwasserschutz
Aus den Ergebnissen ihrer Analyse hat die DUH fünf zentrale Handlungsempfehlungen für einen zukunftsfähigen Hochwasserschutz abgeleitet:
- Kommunale Unterstützung: Die Bundesländer sollen die Kommunen gezielt darin unterstützen, sich schneller auf Extremwetterereignisse einzustellen – sowohl im Hinblick auf Überflutungsgefahren als auch auf zunehmenden Wassermangel.
- Naturbasierte Maßnahmen priorisieren: Der naturbasierte Hochwasserschutz soll gegenüber technischen Maßnahmen klar Vorrang erhalten.
- Förderung von Rückbaumaßnahmen: In Überschwemmungsgebieten müssten Rückbaumaßnahmen verstärkt gefördert werden.
- Bessere Datenerhebung: Es brauche mehr und besser vergleichbare Daten zu den bestehenden Hochwasserschutzmaßnahmen der Länder.
- Länderübergreifender Austausch: Der Austausch guter Praxisbeispiele zum naturbasierten Hochwasserschutz zwischen den Bundesländern soll intensiviert werden.
Dieser Text beruht auf einer Pressemitteilung der Deutschen Umwelthilfe (DUH) vom 10.07.2025












