Doggerbank, 2.10.2026: Ein internationales Team hat auf der Doggerbank in der Nordsee 15.000 Pferdemuscheln ausgesetzt. Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) und seine Partner wollen damit testen, ob sich verschwundene Muschelriffe wiederherstellen lassen.
Beteiligt sind Meeres- und Naturschützer verschiedener Länder. Das Aussetzen ist nach Angaben des BUND ein Schritt in einem Renaturierungsprogramm für die größte Sandbank der Nordsee. Fällt das Ergebnis positiv aus, soll ab 2027 eine groß angelegte Wiederherstellung dieser Lebensräume für Fische, Meeressäugetiere und Seevögel beginnen.
Experiment an vier Standorten
Die Muscheln wurden im Rahmen einer Expedition ausgebracht. Daran beteiligt waren die Stiftung Doggerland, ARK Rewilding Nederland, die Blue Marine Foundation und die Atlantic Technological University. An vier Standorten auf der Doggerbank platzierte das Team die Tiere in verschiedenen Strukturen auf dem Meeresboden.
Im laufenden Projekt soll nun beobachtet werden, was die Muscheln benötigen, um Riffe zu bilden. Das Experiment gilt als erster Schritt für eine Ausweitung der Renaturierung in den kommenden Jahren.
Isabelle Maus, Expertin für Meeresschutzgebiete beim BUND, erklärte, das internationale Programm „Rewilding Doggerbank“ werde gemeinsam mit Partnerorganisationen aller Anrainerstaaten umgesetzt. Der Meeresboden sei früher eine Quelle des Lebens mit vielfältigen Lebensräumen gewesen, darunter auch Riffe. Nach jahrhundertelanger intensiver Grundschleppnetzfischerei sei er jedoch kahlgeschlagen worden. Eine spontane Erholung ohne Unterstützung sei deshalb nicht zu erwarten.
Pferdemuschelriffe als Novum
Maus verwies darauf, dass in der Nordsee bereits viele Erfahrungen mit der Wiederherstellung von Riffen der Europäischen Auster vorlägen. Der Aufbau von Pferdemuschelriffen sei dagegen ein Novum. Die Arbeit weit draußen auf dem Meer bringe neue Herausforderungen mit sich, da das Team mit anderen und anspruchsvolleren Bedingungen konfrontiert sei. Sollten die Muscheln überleben und sich fortpflanzen, rücke die Perspektive einer gesunden Doggerbank mit artenreichem Meeresboden wieder in greifbare Nähe. Das bezeichnete Maus als gute Nachricht für die gesamte Nordsee.
Die Pferdemuschel zählt laut BUND zu den Ökosystembildnern und ist als historische Art im deutschen Meeresschutzgebiet auf der Doggerbank gelistet. Unter geeigneten Bedingungen errichte sie Schale für Schale Riffe mit zahlreichen Spalten, Ecken und Löchern. Diese böten anderen Tieren Raum zum Leben, Schutz, zur Eiablage und zur Nahrungssuche. Die Muscheln filterten feine Partikel aus dem Wasser und schieden Unverdauliches als zusammenklebende Pseudofaeces aus. Dies trage zur Wasserreinigung sowie zur Stabilisierung von Boden und Riff bei.
Laich- und Aufzuchtgebiet bedrohter Arten
Trotz des stark geschwächten Zustands der Doggerbank leben dort laut BUND weiterhin bedrohte und geschützte Arten. Das Gebiet sei Laichgebiet für Haie, Rochen, Kabeljau, Makrelen, Heringe, Wittlinge und Seezungen. Zudem diene es Schweinswalen, Zwergwalen, Kegelrobben, Basstölpeln, Papageientauchern, Trottellummen, Algen und anderen geschützten Seevögeln als Aufzucht- und Nahrungsgebiet.
Maus erklärte, Ökosysteme könnten sich selbst regenerieren, wenn man ihnen die Chance dazu gebe. In geschützten Meeresgebieten dürften daher keine schädlichen Aktivitäten mehr zugelassen werden. Wo sich die Natur nicht selbst erholen könne, helfe man durch die aktive Wiederherstellung von Muschelriffen.
Einen weiteren Baustein bildet das WILD-Projekt des BUND, das gemeinsam mit dem Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung und der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung erarbeitet wird. Dabei sollen weitere geeignete Gebiete, Habitate und Schlüsselarten im deutschen Schutzgebiet identifiziert und bewertet werden. Darauf aufbauend sollen Konzepte für konkrete Maßnahmen unter Einbindung von Behörden, Politik und Interessengruppen entwickelt, getestet und umgesetzt werden.
Schutzstatus und Fischereiverbot
Die Doggerbank umfasst rund 25.000 Quadratkilometer und ist damit etwa siebenmal so groß wie Mallorca. Sie erstreckt sich über die Meeresgewässer Großbritanniens, der Niederlande, Deutschlands und Dänemarks. Vor Tausenden von Jahren bildete die heute überspülte Sandbank eine Landbrücke zwischen England und dem Festland. Wegen der geringen Wassertiefe von zehn bis 40 Metern ist sie ein artenreicher Lebensraum, unter anderem für Schweinswale, Seehunde, Minkwale, Riesenhaie und Weißschnauzendelfine.
Der deutsche Teil der Doggerbank wurde 2017 zum Meeresschutzgebiet erklärt, auch Großbritannien und die Niederlande stellten das Gebiet unter Schutz. Der BUND hält Meeresschutzgebiete für unverzichtbar, um die biologische Vielfalt zu erhalten. Die Ausweisung allein sage jedoch nichts über die erlaubten Nutzungen aus. Ohne spezifische Verbote dürften zerstörerische Praktiken wie die Grundschleppnetzfischerei weiter stattfinden. Seit November 2025 ist etwa die Hälfte des deutschen Schutzgebiets für diese Fischerei gesperrt.
Dieser Text beruht auf einer Pressemitteilung des BUNDs vom 29.09.2026 und wurde unter Zuhilfenahme von KI redaktionell aufgearbeitet.












