BUND drängt auf konsequente Mehrweg-Regeln zur Abfallvermeidung

Fabian

© mpix-foto / stock.adobe.com

Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) weist darauf hin, dass viele seiner bundesweit rund 2000 Orts- und Kreisgruppen regelmäßig Müll sammeln. In diesem Jahr seien dabei mehr als 200 Kilogramm Abfälle aus Städten und Naturgebieten zusammengetragen worden. Anlässlich des Starts der europäischen Woche der Abfallvermeidung am 21. November veröffentliche der Verband die Ergebnisse dieser Aktionen. Demnach bestanden 95 Prozent der gefundenen Verpackungen aus Einwegmaterialien.

Einweg dominiert das Müllaufkommen

Am häufigsten seien Plastik und Einwegglas entdeckt worden. Laut BUND gelten vor allem der Lebensmitteleinzelhandel und der To-Go-Bereich als wesentliche Verursacher der Abfallmengen. Unter den Fundstücken befanden sich Verpackungen zahlreicher großer Händler und Hersteller, deren Namen der Verband aus Neutralitätsgründen nicht weiter benennt. Auch Zigarettenstummel und Kronkorken machten einen relevanten Anteil des Mülls aus.

Auswirkungen auf Städte, Natur und Meere

BUND-Expertin Janine Korduan erklärte, die Stichproben bestätigten das alltägliche Bild: Einwegverpackungen, insbesondere aus Plastik und Glas, verschmutzten Städte, Natur und Meere. Sie betonte, dass der Einzelhandel angesichts seiner hohen Umsätze einen wesentlichen Beitrag zum Schutz der Umwelt leisten könne, etwa durch den Aufbau einer flächendeckenden Mehrweg-Infrastruktur. Dadurch wären Mehrweg- und Unverpackt-Angebote einfach und überall zugänglich.

Probleme der Mehrweg- und Recyclingwirtschaft

Der BUND warnt, dass die deutsche Mehrweg- und Recyclingindustrie durch billiges Neuplastik, steigende Energiekosten und günstige Importe stark unter Druck stehe. Neuplastikproduzenten profitierten zudem vom niedrigen Ölpreis. Investitionen in Mehrweg und Recycling blieben nach Ansicht des Verbands aus, weil der Branche Planungssicherheit fehle. Die Bundesregierung müsse deshalb ein ehrgeiziges neues Verpackungsgesetz verabschieden.

Forderungen an Politik und Handel

Korduan erklärte, die Politik könne die Mehrweg- und Recyclingindustrie stärken und gleichzeitig die Umwelt schützen, indem sie die Plastiksteuer auf Hersteller übertrage und ein ambitioniertes Verpackungsgesetz beschließe. Der Handel müsse seinerseits die notwendige Infrastruktur schaffen, sodass Neuplastik teurer werde und Mehrweg zum neuen Standard werde.

Auch interessant:  Hauskatzen gefährden Wildkatzen: BUND warnt vor Hybridisierung

Der BUND verlangt vom Umweltministerium, verbindliche Mehrwegquoten für alle Bereiche festzulegen und deren Umsetzung zu sichern. Andere europäische Länder hätten bereits weitgehende Reduktionsziele für Einwegprodukte festgeschrieben. Deutschland müsse aus Sicht des Verbands nachziehen. Investitionen seien jetzt nötig – zugunsten der Umwelt, der mittelständischen Wirtschaft und der langfristigen staatlichen Einnahmesituation.

Hintergrund zur europäischen Plastiksteuer

Laut BUND haben mehrere europäische Länder die EU-Plastiksteuer bereits auf Hersteller und Produzenten übertragen. Deutschland finanziere die Abgabe jedoch weiterhin aus dem Bundeshaushalt. Ziel der EU-Plastiksteuer sei es, Plastik einzusparen und Recycling zu stärken. Durch die Umlage würden Produzenten belastet, die Verpackungen aus fossilen Rohstoffen statt aus recyceltem Material oder Mehrweg herstellen.

Anforderungen an das neue Verpackungsgesetz

Das Umweltministerium überarbeite derzeit das Verpackungsgesetz. Der BUND fordert, dass mindestens 70 Prozent aller Getränkeverpackungen Mehrweg sein müssen. Zudem sollten Mehrwegsysteme in weiteren Bereichen eingeführt werden – etwa bei Lebensmitteln, Kosmetik oder im Online-Handel. Hersteller müssten Aufbau und Finanzierung solcher Systeme übernehmen. Außerdem sollten Mehrwegverpackungen günstiger oder zumindest preisgleich zu Einwegprodukten angeboten werden.

Maßnahmen für mehr Mehrweg im Alltag

Der Verband fordert zudem, dass Mehrweg beim Verzehr vor Ort und außer Haus zur Pflicht wird. Rückgaberegelungen müssten vereinfacht, Pfandsysteme ausgeweitet und zusätzliche kommunale oder bundesweite Einwegsteuern eingeführt werden. Beispiele aus einzelnen Städten zeigten, dass solche Maßnahmen zu saubereren Stadtbildern beitragen und den Einsatz von Mehrweg stärken. Eine BUND-Umfrage belege, dass die Mehrheit der Verbraucher bereit wäre, Mehrweg im To-Go-Bereich zu nutzen, wenn es einfach und preislich attraktiv wäre.

Der BUND verweist darauf, dass wenige große Einzelhandelsgruppen einen Großteil des Branchenumsatzes kontrollieren und damit erheblichen Einfluss auf die Verbreitung von Mehrweg- und Unverpackt-Angeboten hätten. Wirtschaftlich würden vor allem kleine und mittelständische Betriebe profitieren, etwa im Bereich von Waschanlagen und Transportlogistik. Für Abfüller entstünden keine höheren Kosten. Damit der Umstieg gelinge, seien verlässliche politische Rahmenbedingungen notwendig.

Auch interessant:  Neuer UBA-Standort in Cottbus: Zentrum für Dekarbonisierung und lokale Vernetzung

Dieser Text beruht auf einer Pressemitteilung des BUND’s vom 18.11.2025