KI-basiertes System für das Monitoring von Recyclingmaterial im Bauwesen

Fabian

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Osnabrück/Tübingen. In Deutschland fallen laut Umweltbundesamt jährlich rund 86 Millionen Tonnen Schutt und Abfälle auf Baustellen an. Ein erheblicher Teil dieser Materialien wird deponiert, wodurch wertvolle Ressourcen verloren gehen. Hochwertiges Recycling kann dem entgegenwirken, indem es Emissionen reduziert und Materialien bei gleichwertiger Qualität im Wertstoffkreislauf hält. Zur Automatisierung des Recyclings im Bausektor entwickelt ein Startup aus Tübingen ein System auf Basis künstlicher Intelligenz für das Echtzeit-Monitoring von Materialien. Das Projekt wird von einer bundesweiten Umweltstiftung mit rund 170.000 Euro gefördert.

Echtzeit-Qualitätsmonitoring für Recycling-Granulate

Der Generalsekretär der fördernden Umweltstiftung sieht in der Baubranche ein großes Potenzial für zusätzlichen Umweltschutz und betont, dass insbesondere mittelständische Unternehmen mit innovativen Lösungen Vorbildfunktionen übernehmen könnten. Während für Neubauten bereits klare Vorgaben zu Effizienz und Nachhaltigkeit bestünden, müssten vergleichbare Maßstäbe künftig auch nach dem Abriss von Gebäuden gelten. Einen Ansatz dafür liefere das entwickelte KI-basierte System zur automatischen und reproduzierbaren Klassifizierung von Bauabfällen. Aufbauend darauf soll ein Prototyp entstehen, der ein Echtzeit-Monitoring von recycelten Gesteinskörnungen aus Bauschutt ermöglicht. Auch dieses Vorhaben wird mit rund 170.000 Euro gefördert.

Ein Mitgründer des Start-ups erläutert, dass der Aufbereitungsprozess von Bauschutt bislang häufig auf subjektiven Einschätzungen beruhe und die Qualität der Endprodukte meist nur stichprobenartig im Labor überprüft werde. Mit dem neuen System sei dagegen ein kontinuierliches Echtzeit-Monitoring möglich, wodurch sich die Qualität der Körnungen verbessern und größere Materialmengen für die Betonproduktion nutzbar machen ließen.

Weniger Abfälle, mehr Wertstoffe

Nach Angaben des Mitgründers kombiniert das System moderne optische Sensorik mit künstlicher Intelligenz und adressiert damit ein bekanntes Problem der Branche. Die schwankende Beschaffenheit recycelter Rohstoffe stelle sowohl ein wirtschaftliches Risiko für Unternehmen dar als auch einen Verlust wertvoller Materialien. Durch den Einsatz der Technologie werde eine höhere Menge hochwertiger Recycling-Gesteinskörnungen erwartet, während gleichzeitig weniger Abfallreste auf Deponien landeten. Der eingehende Schutt werde systematisch klassifiziert und das Ergebnis transparent überprüft. Unterstützt wird das Vorhaben durch einen langjährigen Industriepartner aus der Recyclingbranche. Die Technologie leiste einen Beitrag zur Kreislaufwirtschaft im Bauwesen, verbessere die Qualität von Sekundärrohstoffen und lasse sich perspektivisch auch auf andere Abfallströme übertragen.

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Einfache Integration in bestehende Anlagen

Das System kann nach Angaben der Entwickler direkt in bestehende Anlagen zur Verarbeitung von Bauabfällen integriert werden, indem es über dem Fließband installiert wird. Diese Form der Nachrüstung spare Kosten und ermögliche eine vergleichsweise schnelle Umsetzung neuer Recyclingprozesse. Entscheidend sei, dass Recycling wirtschaftlich tragfähig bleibe, da nur so eine funktionierende Kreislaufwirtschaft in der Baubranche etabliert werden könne. Bereits in der Förderphase habe das System durch eine hohe Genauigkeit bei der Klassifikation unterschiedlicher Bauschuttarten überzeugt. Darauf aufbauend solle die Nutzung hochwertiger Sekundärrohstoffe in der Betonherstellung weiter vorangebracht werden.

Bedeutung für den Klimaschutz

Nach Einschätzung des zuständigen Referenten der Umweltstiftung hat eine funktionierende Kreislaufwirtschaft im Bauwesen relevante Effekte für den Klimaschutz. Die fortlaufende Neuproduktion von Beton sei mit einem hohen Ausstoß von Treibhausgasen verbunden. Einer Studie des WWF zufolge entstünden bei der Herstellung von Zement rund acht Prozent der globalen Treibhausgasemissionen. Maßnahmen zur Emissionsreduzierung hätten daher einen messbaren Einfluss auf den Klimaschutz. Voraussetzung für eine erfolgreiche Kreislaufwirtschaft sei jedoch, dass sich Sekundärrohstoffe qualitativ nicht von neu produzierten Materialien unterscheiden. Genau hier setze das entwickelte, skalierbare System an.

Dieser Text beruht auf einer Pressemitteilung der DBU (Deutsche Bundesstiftung Umwelt)