Berlin, 25. August 2025 – Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) übt scharfe Kritik an der geplanten Finanzierung des Pfaffensteigtunnels im Haushaltsentwurf der Bundesregierung für 2026. Das in Baden-Württemberg vorgesehene Projekt soll den längsten Bahntunnel Deutschlands hervorbringen und die Gäubahn aus der Schweiz mit dem Stuttgarter Flughafen verbinden. Laut DUH wird der Bundeshaushalt damit deutlich stärker belastet, als die aktuell vorgesehenen 1,69 Milliarden Euro im Haushaltsentwurf erwarten lassen. Bereits im März 2024 seien die Gesamtkosten mit 2,7 Milliarden Euro realistischer beziffert worden. Aufgrund der sich bereits abzeichnenden Verzögerungen und steigender Baupreise gehe die DUH nun von 3,5 Milliarden Euro aus. Daraus folge, dass der Nutzen-Kosten-Index (NKI) weit unter den erforderlichen Wert von 1 fallen dürfte. Nach geltenden Förderregeln wäre das Projekt damit eigentlich nicht finanzierbar.
Massive Kostenexplosion und Kritik an der Prioritätensetzung
DUH-Bundesgeschäftsführer Jürgen Resch erklärte, die Bahn lasse ihr Schienennetz in der Fläche zunehmend verkommen, während selbst stark befahrene Strecken mit Dieselloks aufgrund fehlender Mittel nicht mehr elektrifiziert würden. Zugleich solle jedoch für den Anschluss des Stuttgarter Flughafens ein Milliardenbetrag ausgegeben werden.
Resch wies darauf hin, dass die ursprünglich mit 919 Millionen Euro veranschlagten Kosten inzwischen realistisch bei 3,5 Milliarden Euro lägen. Der Pfaffensteigtunnel sei zudem weder für den Güterverkehr nutzbar noch bringe er Vorteile für Fahrgäste. Als deutlich sinnvoller und zugleich kostengünstiger bezeichnete er den zweigleisigen Ausbau der Gäubahn, der nur etwa 40 Prozent der Tunnelkosten verursache, aber ein Vielfaches an Nutzen erbringen würde.
Für die Einhaltung der Klimaziele sei nach Ansicht der DUH der dauerhafte Erhalt des Stuttgarter Kopfbahnhofs und die weitere Anbindung der Gäubahn unverzichtbar. Deshalb setze sich die Organisation mit zwei laufenden Klageverfahren vor dem Verwaltungsgerichtshof Mannheim für diese Alternative ein.
Zeitplan der Bahn unrealistisch
Die Deutsche Bahn rechne offiziell mit einer Fertigstellung des Pfaffensteigtunnels im Jahr 2032. Angesichts zahlreicher Einwendungen aus den betroffenen Gemeinden seien jedoch mehrjährige Verzögerungen durch Klageverfahren über mehrere Instanzen hinweg wahrscheinlich. Während einer Gerichtsverhandlung im Februar 2025 habe der Bahnvertreter allerdings überraschend erklärt, dass im Zeitplan keinerlei Verzögerungen durch gerichtliche Verfahren berücksichtigt seien.
Vergleichbare Tunnelprojekte als Warnung
Die DUH verwies auf Erfahrungen mit ähnlichen Projekten. Beim doppelröhrigen Tunnel in Offenburg seien die Kosten von ursprünglich 1,18 Milliarden Euro auf 3,8 Milliarden Euro gestiegen, bei einer Verzögerung von sechs Jahren. Da der Pfaffensteigtunnel fast dreimal so lang sei, seien auch hier massive Verzögerungen und Kostensteigerungen vorprogrammiert.
Risiko der Abtrennung der Gäubahn
Unabhängig davon, ob der Pfaffensteigtunnel letztlich realisiert oder das Projekt aufgegeben werde, drohe für viele Jahre eine Unterbrechung der Gäubahn. Im schlimmsten Fall könne es sogar zu einer dauerhaften Abtrennung kommen. Deshalb fordert die DUH, die Planungen sofort zu stoppen und stattdessen auf den Erhalt der Panoramastrecke sowie des Stuttgarter Kopfbahnhofs umzusteuern. Nur so könne eine vollständige Unterbrechung vermieden werden.
Dieser Text beruht auf einer Pressemitteilung der Deutschen Umwelthilfe (DUH) vom 28.08.2025












