Zur Bauministerkonferenz in Berlin fordern die Deutsche Umwelthilfe (DUH), Architects for Future (A4F) und die Anti-Abriss-Allianz (AAA) strengere Vorgaben für Gebäudeabrisse. Das Bündnis, dem insgesamt 70 Organisationen angehören, spricht sich für einen Genehmigungsvorbehalt für Abrisse sowie für eine entsprechende Novellierung der Musterbauordnung aus. Grundsätzlich müsse sich die Baupolitik stärker auf den Erhalt und die Weiterentwicklung bestehender Gebäude konzentrieren. An die Stelle klassischer Bauordnungen sollten nach Auffassung der Organisationen stärker auf den Bestand ausgerichtete „Umbauordnungen“ treten.
Prüfung von Alternativen vor jedem Abriss
Nach Ansicht des Bündnisses sollte ein Gebäudeabriss künftig nur noch nach vorheriger Genehmigung möglich sein. Eine solche Regelung müsse sowohl in der Musterbauordnung als auch in den jeweiligen Landesbauordnungen verankert werden. Vor einem Abriss solle geprüft werden, ob Erhalt, Sanierung oder Umbau über den gesamten Lebenszyklus betrachtet ökologisch vorteilhafter seien als Abriss und anschließender Neubau.
Als Vorsitzenden der Bauministerkonferenz sehen die beteiligten Organisationen den Berliner Bausenator Christian Gaebler (SPD) dabei in besonderer Verantwortung. Die Berliner SPD habe sich bereits für einen Genehmigungsvorbehalt bei Abrissen ausgesprochen. Dennoch sei das Thema bislang nicht auf die Tagesordnung der Bauministerkonferenz gesetzt worden.
DUH fordert verpflichtende Genehmigungen
Barbara Metz, Bundesgeschäftsführerin der Deutschen Umwelthilfe, erklärte, Klimaschutz, Ressourcenschutz und bezahlbarer Wohnraum ließen sich nur gemeinsam denken, wenn der Gebäudebestand stärker berücksichtigt werde. Noch immer würden Gebäude abgerissen, ohne ernsthaft zu prüfen, ob deren Erhalt die bessere Lösung sei.
Umso weniger nachvollziehbar sei es aus ihrer Sicht, dass ein Genehmigungsvorbehalt für Abrisse nicht einmal auf der Agenda der diesjährigen Bauministerkonferenz stehe. Die Bauministerinnen und Bauminister müssten deshalb handeln und Gebäudeabrisse künftig genehmigungspflichtig machen.
Architects for Future setzt auf den Bestand
Leon Beck, Vorstandsvorsitzender von Architects for Future, verwies darauf, dass sich die Bauministerkonferenz bereits im vergangenen Jahr klar für den Gebäudeumbau ausgesprochen habe. Damit dieser tatsächlich möglich werde, seien eine praxistaugliche Umbauordnung und der Erhalt bestehender Bausubstanz erforderlich.
Wer Gebäude abreiße, ohne zuvor den Erhalt als Alternative zu prüfen, vernichte vorhandene Potenziale vorzeitig. Architects for Future fordere deshalb für jeden geplanten Abriss einen verbindlichen Genehmigungsvorbehalt einschließlich einer Prüfung möglicher Alternativen. Nur dadurch könne wertvolle Bausubstanz erhalten und kurzfristig weiter genutzt werden. Die Lösung der Wohnungsfrage liege nach Auffassung der Organisation vor allem im Bestand und nicht allein im Neubau.
Anti-Abriss-Allianz fordert Abriss-Stopp
Corinna Tell von der Anti-Abriss-Allianz verwies auf Erfahrungen aus der Denkmalpflege. Diese zeigten nach ihrer Einschätzung, dass selbst komplexe Bestandsgebäude wie Kirchen erfolgreich zu Quartierszentren oder Wohnraum umgenutzt werden könnten, anstatt sie abzureißen.
Um die Bauwende praktisch umzusetzen, fordere die Allianz einen Abriss-Stopp sowie eine Umbauordnung, die den Erhalt von Gebäuden gegenüber Neubauten priorisiere. Ein Abriss solle nur noch im Rahmen einer Ausnahmegenehmigung und bei Nachweis einer positiven Gesamtemissionsbilanz zulässig sein. Dabei müssten auch die im Gebäude gebundenen sogenannten grauen Emissionen berücksichtigt werden, die durch einen Abriss verloren gingen.
Darüber hinaus sollten rechtliche Standards, Förderprogramme sowie die Ausbildung in Architektur und Handwerk konsequent auf das Weiterbauen, Reparieren und die zirkuläre Wiederverwendung von Materialien im Gebäudebestand ausgerichtet werden.
Tausende Gebäude werden jährlich abgerissen
Nach Angaben der amtlichen Statistik werden in Deutschland jährlich rund 12.000 Gebäude abgerissen. Die tatsächliche Zahl dürfte nach Einschätzung der Organisationen jedoch deutlich höher liegen. Nicht sämtliche Gebäudeabrisse würden statistisch erfasst, zudem fehle es bislang an einer umfassenden Transparenz über das Abrissgeschehen in Deutschland.
Mit jedem Abriss gehen bereits gebundene sogenannte graue Treibhausgasemissionen sowie wertvolle Baustoffe und die darin enthaltenen Rohstoffe verloren. Gleichzeitig können gewachsene Quartiersstrukturen und baukulturelle Werte zerstört werden.
Dieser Text beruht auf einer Pressemitteilung der Deutschen Umwelthilfe e.V. vom 10.09.2026 und wurde unter Zuhilfenahme von KI redaktionell aufgearbeitet












