Ob für den täglichen Arbeitsweg oder für klimafreundliche Reisen quer durchs Land – die Bahn gilt als Rückgrat nachhaltiger Mobilität in Deutschland. Allerdings führen eine vielerorts marode und überlastete Schieneninfrastruktur zu Verspätungen, Zugausfällen und unzufriedenen Fahrgästen. Diese Probleme werden auf verkehrspolitische Prioritäten der vergangenen Jahrzehnte zurückgeführt. Eine Umweltorganisation nimmt ein kürzlich veröffentlichtes Gutachten zur Schieneninfrastruktur zum Anlass, erneut einen stärkeren Fokus auf den Ausbau der Bahn zu fordern und dabei den Naturschutz von Beginn an zu berücksichtigen. Neben der Modernisierung und Instandsetzung des bestehenden Netzes sei auch eine naturverträgliche Erweiterung der Kapazitäten erforderlich, um mehr Verkehr auf die Schiene zu verlagern.
Gutachten zur naturverträglichen Planung
Ein Fachgutachten zeigt, welche Kriterien für eine naturverträgliche und gemeinwohlorientierte Planung notwendig sind. Ziel ist es, Umwelt- und Gemeinwohlaspekte bereits frühzeitig in Planungsprozesse einzubeziehen.
Die Studie entstand im Rahmen eines geförderten Projekts, das sich mit der Entwicklung einer umweltverträglichen und gemeinwohlorientierten Schieneninfrastruktur als Grundlage für eine sozial-ökologische Mobilitätswende befasst.
Bedeutung von Naturschutz und Klimazielen
Ein wissenschaftlicher Mitarbeiter der Umweltorganisation erklärt, dass die naturverträgliche Erweiterung und die Sanierung des Schienennetzes entscheidend für das Erreichen der Klimaziele seien. Außerdem würde eine frühzeitige Berücksichtigung des Naturschutzes die gesellschaftliche Akzeptanz stärken und zum Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen beitragen.
Fehlende Datengrundlagen
Dem Gutachten zufolge ist eine Priorisierung von Infrastrukturprojekten anhand von Kriterien wie Umwelt- und Naturverträglichkeit derzeit nur eingeschränkt möglich, da eine ausreichende Datengrundlage fehlt.
Um die natürlichen Lebensgrundlagen besser zu schützen, müssten umfassende Daten zu Natur, Umwelt, Klima und Gemeinwohl erhoben und bereits in der Planungsphase berücksichtigt werden. Nur so könne eine vergleichende Bewertung erfolgen, bei der auch bisher oft unberücksichtigte externe Effekte wie Klimaschäden, Lärm, Luftverschmutzung und Unfälle einbezogen werden.
Neuer Verkehrswege- und Mobilitätsplan
Der Mitarbeiter erklärt weiter, dass ein neuer bundesweiter Verkehrswege- und Mobilitätsplan alle relevanten Daten zu Natur-, Umwelt- und Klimaschutz sowie zum Gemeinwohl in einer verkehrsträgerübergreifenden Netzplanung zusammenführen müsse. Auf diese Weise könne der Plan den Weg zu einem nachhaltigen Verkehrssystem aufzeigen.
Allein die Vermeidung negativer Umwelteinflüsse sei bislang nicht ausreichend. Wenn Vorgaben des Natur- und Klimaschutzes umfassend berücksichtigt und Umweltverbände bereits frühzeitig in die Planung einbezogen würden, könnten Zielkonflikte rechtzeitig erkannt und gelöst werden.
Gemeinwohlziele definieren
Das Gutachten stellt außerdem fest, dass bislang klare Indikatoren fehlen, um das Gemeinwohl bei der Planung der Schieneninfrastruktur zu erfassen. Unklar sei derzeit auch, welche konkreten Ziele der Bund für das staatliche Infrastrukturunternehmen im Bahnsektor verfolgt.
Solche Ziele müssten nicht nur den Zustand des Schienennetzes und der Bahnhofsgebäude betreffen, sondern auch Aspekte der Erreichbarkeit, etwa die bessere Anbindung von Regionen. Die Ausarbeitung dieser Ziele sollte unter Beteiligung der Zivilgesellschaft erfolgen.
Der Mitarbeiter betont, dass bisher keine ausreichende Zieldefinition für das Gemeinwohl im Bereich der Schieneninfrastruktur existiere. Es müsse daher festgelegt werden, wie eine naturverträgliche Kapazitätserhöhung und die Sanierung des Netzes zum Gemeinwohl beitragen können. Außerdem müsse die Politik klären, welche Regionen künftig durch neue oder reaktivierte Bahnstrecken besser an das Schienennetz angebunden werden sollen.
Finanzierung kleiner und mittlerer Maßnahmen
Ein wichtiger Schritt zur Stärkung der Schieneninfrastruktur wäre laut Gutachten die konsequente Finanzierung und Umsetzung sogenannter kleiner und mittlerer Maßnahmen, etwa zusätzlicher Weichen oder Überholgleise.
Solche kurzfristig wirksamen Maßnahmen sollten bei überlasteten Strecken prioritär umgesetzt werden, da sie schnell zu einer besseren Pünktlichkeit führen und zugleich die Verlässlichkeit sowie die Kapazität des Schienennetzes erhöhen.
Der Mitarbeiter weist darauf hin, dass das zuständige Bundesministerium in der Verantwortung stehe, diese Maßnahmen verlässlich zu finanzieren. Ihre Umsetzung könne wesentlich dazu beitragen, die Pünktlichkeit zu verbessern und die Leistungsfähigkeit des Schienennetzes zu erhöhen.
Dieser Text beruht auf einer Pressemitteilung des BUNDs vom 05.03.2026 und wurde unter Zuhilfenahme von KI redaktionell aufgearbeitet.












