Luftverschmutzung in Deutschland: DUH fordert strengere Grenzwerte

Fabian

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Berlin, 20. Februar 2025 – Das Umweltbundesamt (UBA) hat heute neue Luftqualitätsdaten veröffentlicht und betont, dass erstmals alle gesetzlichen Grenzwerte für Luftschadstoffe eingehalten wurden. Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) kritisiert diese Darstellung scharf und wirft dem UBA eine Verschleierung der tatsächlichen Gesundheitsnotlage vor. Bereits in der vergangenen Woche hatte die DUH alarmierende Zahlen der Europäischen Umweltagentur (EEA) präsentiert. Diese zeigen, dass Luftverschmutzung weiterhin erhebliche gesundheitliche Folgen hat: In Berlin sterben jährlich 3.527 Menschen an den Folgen hoher Feinstaubbelastung und 1.414 Menschen aufgrund von Stickstoffdioxid (NO2). Im Ruhrgebiet liegt die Sterblichkeitsrate durch Feinstaub bei bis zu 150 Todesfällen pro 100.000 Einwohner, durch NO2 bei 80 Fällen. Während das UBA die Einhaltung der Grenzwerte als Erfolg der Behörden feiert, weist die DUH darauf hin, dass viele dieser Behörden ursprünglich gegen die Umsetzung von Luftreinhaltemaßnahmen opponiert hatten. Erst durch den anhaltenden Druck der DUH seien diese Maßnahmen in den vergangenen Jahren durchgesetzt worden.

DUH fordert striktere Grenzwerte und schnelle Umsetzung

Die DUH appelliert an die künftige Bundesregierung, die neuen EU-Grenzwerte für Luftschadstoffe bis spätestens 2028 verbindlich festzulegen. In einem weiteren Schritt sollen die strengeren Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) bis 2035 in nationales Recht überführt und konsequent eingehalten werden.

DUH-Bundesgeschäftsführer kritisiert mangelndes Handeln

Jürgen Resch, Bundesgeschäftsführer der DUH, betont, dass die erstmalige Einhaltung der seit 2008 geltenden Grenzwerte kein Grund zur Feier sei, da diese ohnehin zu lasch bemessen seien. Er kritisiert, dass das Umweltbundesamt den Bürgerinnen und Bürgern eine falsche Sicherheit vorgaukle. Die gesundheitsschädliche Luftverschmutzung führe weiterhin zu Erkrankungen und Todesfällen in allen deutschen Landkreisen. Die Selbstbeweihräucherung des UBA sei eine Verhöhnung all jener, die durch die schlechte Luftqualität erkrankt oder verstorben seien.

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Die von der EEA veröffentlichten Zahlen verdeutlichten, dass jede Verzögerung effektiver Maßnahmen Menschenleben koste. Laut den aktuellen Daten sterben in Deutschland weiterhin mehr als 70.000 Menschen jährlich aufgrund verschmutzter Luft. Resch fordert daher ein schnelles und entschlossenes Handeln der Politik.

Dringender Handlungsbedarf: WHO-Empfehlungen umsetzen

Die neuen EU-Grenzwerte für Stickstoffdioxid werden derzeit an 43 Prozent der Messstellen in Deutschland überschritten. Noch gravierender ist die Lage bei den WHO-Empfehlungen: 78 Prozent der Messstellen verzeichnen höhere NO2-Werte, und für Feinstaub gibt es nahezu keine Messstelle in Deutschland, die den WHO-Vorgaben entspricht.

Die DUH fordert, dass Deutschland die Umsetzung der neuen EU-Grenzwerte um zwei Jahre vorzieht und bereits ab 2028 verbindlich macht. Bis spätestens 2035 müssen die strengeren WHO-Empfehlungen als gesetzliche Grenzwerte gelten und flächendeckend eingehalten werden, um die Gesundheit der Bevölkerung nachhaltig zu schützen.

Dieser Text beruht auf einer Pressemitteilung der Deutschen Umwelthilfe (DUH) vom 20.02.2025