Osnabrück/Hürth. Das Düngen mit Gülle ist ein zentraler Bestandteil einer auf Kreisläufe ausgerichteten Landwirtschaft. Während viele Äcker derzeit noch ruhen, beginnen Landwirtinnen und Landwirte ab Februar wieder mit der Nährstoffversorgung ihrer Felder. Gleichzeitig entstehen bei der Nutzung von Gülle umweltschädliche Gase wie Ammoniak und Methan. Ein Startup aus Hürth hat ein Verfahren entwickelt, mit dem Gülle in einen effizienteren und geruchlosen Dünger umgewandelt wird. Dadurch lassen sich Treibhausgasemissionen reduzieren und zugleich die Nährstoffversorgung der Pflanzen verbessern. Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) fördert das Projekt mit 125.000 Euro.
Weniger Emissionen in konventioneller und ökologischer Landwirtschaft
Nach Angaben des Umweltbundesamt stammen rund zwei Drittel der Treibhausgasemissionen der deutschen Landwirtschaft aus der Tierhaltung, was etwa 5,3 Prozent der gesamten Emissionen in Deutschland entspricht. Vor allem Methan und Ammoniak gelangen über Gülle in Luft und Boden. Der Generalsekretär der DBU erklärte, dass auf dem Weg zu einer nachhaltigen Landwirtschaft innovative Lösungen zur Reduktion von Treibhausgasen sowohl für konventionelle als auch für ökologisch wirtschaftende Betriebe eine wichtige Rolle spielten. Einen solchen Ansatz verfolge das Hürther Entwicklerteam. Nach Angaben eines Mitgründers werde Gülle innerhalb eines 24-Stunden-Zyklus mithilfe eines rein biologischen Verfahrens in ein Düngemittel mit höherer Nährstoffnutzungseffizienz und deutlich geringeren Emissionen umgewandelt.
Von der Nischentechnik zum Klimaschutz in der Fläche
Das Projekt ist eine Ausgründung aus dem Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) und überträgt eine ursprünglich für die Raumfahrt entwickelte Technologie auf die Landwirtschaft. Das zugrunde liegende System sei zunächst zur Aufbereitung von menschlichem Urin als Düngemittel für den erdfreien Anbau in Gewächshäusern auf Raumstationen konzipiert worden. In der neuen Anwendung werde Gülle in betriebseigenen Anlagen mithilfe von Mikroorganismen weiterverarbeitet. Dabei entstünden ein dünnflüssiges, geruchloses Düngemittel sowie eine geringe Menge eines nährstoffreichen Feststoffs.
Mehrerträge durch bessere Nährstoffverfügbarkeit
Bei der Lagerung von Gülle unter Stallböden reagieren Ausscheidungen miteinander und setzen schädliche Gase frei. Um die Ausgasung von Methan und Ammoniak zu vermeiden, werde die Gülle möglichst schnell aus den Ställen in die Aufbereitungsanlage geleitet. Dies erhöhe nach Einschätzung des Entwicklerteams auch das Tierwohl. Zudem würden die enthaltenen Nährstoffe so aufbereitet, dass sie den Pflanzen unmittelbar zur Verfügung stünden. Dadurch gelangten sie schneller zu den Pflanzen als bei herkömmlicher Gülleausbringung, während Nährstoffauswaschungen in den Boden deutlich reduziert würden. Nach ersten Pflanzversuchen rechne man mit Mehrerträgen von bis zu 20 Prozent. Diese Ergebnisse sollten 2026 in Feldversuchen auf zwei landwirtschaftlichen Betrieben überprüft werden.
Einsatz auch im Hobbygarten
Neben den Aufbereitungsanlagen für landwirtschaftliche Betriebe stellt das Entwicklerteam nach eigenen Angaben auch kleinere Mengen des Düngemittels für den privaten Gebrauch her. Das Produkt eigne sich demnach für den heimischen Tomatenanbau ebenso wie für Zimmerpflanzen. Der Vertrieb erfolge über das Internet. Das Verfahren sei über das DLR patentiert und exklusiv lizenziert. Aktuell arbeite das Team vor allem mit Rindergülle und Gärresten aus Biogasanlagen. Durch die Förderung der DBU bestehe nun die Möglichkeit, das Verfahren umfassender auf seine Umweltauswirkungen zu untersuchen, anstatt sich ausschließlich auf wirtschaftliche Aspekte zu konzentrieren. Darüber hinaus seien weitere Feldversuche geplant, um die zusätzlichen Erträge zu verifizieren und Optimierungspotenziale zu identifizieren.
Veränderungsbereitschaft in der Landwirtschaft
Eine Referentin der DBU sieht in der Landwirtschaft einen großen Bedarf an Konzepten wie diesem. Viele Bäuerinnen und Bauern seien sich der Treibhausgaswirkungen ihrer Arbeit bewusst, wollten Veränderungen anstoßen und seien teilweise auch gesetzlich dazu verpflichtet. Die hohen Emissionen schadeten dem Ansehen der Branche, könnten jedoch durch innovative Lösungen reduziert werden. Entscheidend sei dabei, dass die Konzepte sowohl effektiv als auch wirtschaftlich tragfähig seien – Anforderungen, denen sich das Projekt gezielt stelle.
Green Startup-Förderung der DBU
Mit der Green Startup-Förderung unterstützt die DBU Gründerinnen und Gründer, die innovative und wirtschaftlich tragfähige Lösungen für Umwelt, Ökologie und Nachhaltigkeit entwickeln. Weitere Informationen sind auf der Website der DBU verfügbar.
Dieser Text beruht auf einer Pressemitteilung der DBU (Deutsche Bundesstiftung Umwelt)












