Bundeswirtschafts- und Energieministerin Katherina Reiche hat heute Vertreterinnen und Vertreter der Chemieindustrie, mehrerer Bundesländer, der Gewerkschaften sowie des Verbands der Chemischen Industrie zu einem Follow-up-Gespräch eingeladen. Anlass war die am 26. März 2026 veröffentlichte Chemieagenda.
Umweltstandards als Standortfaktor
Bundesumweltminister Carsten Schneider erklärte, die Chemieindustrie verdiene als Innovationsmotor die volle politische Aufmerksamkeit. Es gelte, die Branche in einer schwierigen Lage zu stärken und zugleich weiterhin einen hohen Schutz für Mensch und Umwelt sicherzustellen.
Wirksame Umweltstandards seien ein wesentlicher Standortfaktor für eine erfolgreiche Chemieproduktion. Die europäische Chemikalienregulierung habe sich bewährt. Deshalb sei es ein gutes Zeichen, dass die EU-Kommission den Empfehlungen der Bundesregierung gefolgt sei und an der europäischen Chemikalienverordnung REACH in ihrer jetzigen Form nichts ändern wolle. Dadurch entstehe ein verlässlicher Rahmen für die Industrie, während bewährte Schutzmechanismen erhalten blieben.
Dies gelte auch für den Emissionshandel. Schneider betonte, man habe sich erfolgreich für gezielte Entlastungen eingesetzt, ohne den langfristigen Weg hin zu einer klimaneutralen Industrie infrage zu stellen. Die EU-Kommission habe diese Initiative aufgegriffen. Das gebe der Industrie zusätzlichen Spielraum, in den Industriestandort Deutschland sowie in moderne und klimaverträgliche Anlagen zu investieren. Zugleich bleibe weiteres industriepolitisches Engagement notwendig.
Umsetzung der Chemieagenda
Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche erklärte, die Maßnahmen der Chemieagenda würden derzeit umgesetzt. In einer Phase verschärften globalen Wettbewerbs entscheide sich nun, wie industrielle Wertschöpfung, Innovation und Arbeitsplätze in Deutschland langfristig gesichert werden könnten.
Die Chemieagenda sei ein wichtiger Schritt gewesen, da sie zentrale Meilensteine zur Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit der Branche aufzeige. Auf europäischer wie nationaler Ebene seien bereits zahlreiche Fortschritte erzielt worden, von denen die chemische Industrie profitiere. Dazu zählten insbesondere das Gesetzespaket für bezahlbare Energie sowie die abgestimmte gemeinsame Position zur Revision der europäischen Chemikalienverordnung REACH. Angesichts der angespannten Lage der Chemieindustrie in Deutschland sei eine konsequente Fortsetzung dieser Arbeiten dringend notwendig.
Branche fordert konkrete Entlastungen
Der Präsident des Verbands der Chemischen Industrie, Dr. Markus Steilemann, erklärte, die Chemie halte Deutschland am Laufen, stehe selbst jedoch massiv unter Druck. Auch 2026 drohe ein weiteres schwieriges Jahr.
Die Zeit der Analysen sei vorbei. Die Chemieagenda müsse nun im Schulterschluss zwischen Politik und Industrie die Weichen für einen wettbewerbsfähigen Standort stellen. Dafür brauche es niedrigere Strompreise, einen praxistauglichen Emissionshandel, weniger Bürokratie und bessere Innovationsbedingungen. Entscheidend sei, was tatsächlich an den Werkstoren ankomme. Weitere Belastungen seien für die Industrie nicht hinnehmbar.
Konsolidierung der Chemiestandorte
Der Vorsitzende der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie und Energie, Michael Vassiliadis, erklärte, die Konsolidierung der deutschen Chemiestandorte sei bereits in vollem Gang. Sie müsse entlang der Wertschöpfungsketten erfolgen, um nicht unnötig viel Wertschöpfung sowie die Zukunft ganzer Chemiecluster zu riskieren.
Er sprach sich daher für eine koordinierte und strukturpolitisch aktiv begleitete Konsolidierung aus. Auf diese Weise könnten Überkapazitäten auch volkswirtschaftlich am sinnvollsten angepasst werden.
Austausch über weitere Schritte
Die heutige Veranstaltung diente dem Austausch aller an der Chemieagenda Beteiligten über den Stand der Umsetzung der Maßnahmen. Zudem wurde darüber beraten, wie die Rahmenbedingungen schnell und effektiv weiter verbessert werden können.
Im Fokus standen unter anderem eine wettbewerbsfähige Energieversorgung, die anstehende Reform des Emissionshandels auf EU-Ebene, EU-Regulatorik sowie der Wasserstoffhochlauf.
Der Prozess der Chemieagenda wird nun durch einen halbjährlich tagenden Steuerungskreis fortgeführt. Geleitet wird dieser von Staatssekretär Frank Wetzel. Dem Gremium gehören Bundesressorts, die Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IGBCE), der Verband der Chemischen Industrie (VCI) sowie Vertreterinnen und Vertreter der Bundesländer auf Staatssekretärsebene der Wirtschaftsministerien an.
Dieser Text beruht auf einer Pressemitteilung des BMUKN vom 01.06.2026 und wurde unter Zuhilfenahme von KI redaktionell aufgearbeitet.












