Bund, Land Nordrhein-Westfalen, Kommunen und Infrastrukturbetreiber haben auf der Infrastrukturkonferenz.NRW gemeinsame Maßnahmen vereinbart, um die Modernisierung von Brücken zu beschleunigen. Nach Angaben des Landes ist der Sanierungsbedarf in NRW größer als in anderen Bundesländern.
In Nordrhein-Westfalen gibt es mehr als 30.000 Brücken. Nach Darstellung des Landes gerate alles ins Stocken, wenn Brücken ausfielen. Zur diesjährigen Infrastrukturkonferenz.NRW lud das Land deshalb Akteure von Bund, Land und Kommunen ein.
NRW-Verkehrsminister Oliver Krischer erklärte zur Eröffnung, aus dem Sanierungsstau solle Sanierungstempo werden. Die Beteiligten arbeiteten deshalb enger zusammen, räumten Hürden aus dem Weg und beschleunigten die Umsetzung.
Schnellere Verfahren und neue Ausschreibungsformen
An der Vereinbarung beteiligt sind das Bundesverkehrsministerium, die Autobahngesellschaft des Bundes, der Eisenbahn-Infrastrukturbetreiber des Bundes, die Generaldirektion Wasserstraßen und Schifffahrt (GDWS), das Land, der Landesbetrieb Straßen.NRW sowie die kommunalen Spitzenverbände Städtetag NRW, Landkreistag NRW und Städte- und Gemeindebund NRW. Vereinbart wurden unter anderem beschleunigte Verfahren, Bürokratieabbau, mehr Digitalisierung und neue Ausschreibungsformen.
Zudem sollen innovative Bauweisen stärker eingesetzt und weiterentwickelt werden. Das Brückenmonitoring soll mithilfe von Sensorik und Digitalisierung systematisiert werden, um die Nutzungsdauer der Bauwerke zu verlängern. Baustellen und Verkehrsmanagement sollen frühzeitig und laufend über alle Verkehrsträger und Ebenen abgestimmt werden.
Nach der Novelle des Straßen- und Wegegesetzes vom Juni 2026 ist für Brücken bis 1.000 Meter Länge kein eigenes Planfeststellungsverfahren mehr erforderlich, sofern der Neubau keine Kapazitätserweiterung bewirkt. Das Land gab an, dies verringere den Verwaltungs- und Planungsaufwand ohne Abstriche bei Sicherheit oder Umweltstandards.
Bei funktionalen Ausschreibungen gibt der Auftraggeber nur noch vor, was eine Brücke leisten muss; wesentliche Teile der Planung übernimmt das Bauunternehmen. Seit 2024 wendete das Land dieses Verfahren bei 50 Ersatzneubauten an. Bei Ausschreibungen von Straßen.NRW kann die Bauzeit zudem mit bis zu 70 Prozent gewichtet werden.
Brückenbauer aus NRW stellten auf der Konferenz Modelle mit modularer Bauweise und gebündelten Verfahren vor. Die Ansätze stammen teilweise aus dem Wiederaufbau nach der Flutkatastrophe 2021. In Hückelhoven entstand damals die erste Brücke im modularen Fertigteilverfahren, 2022 kamen funktionale Ausschreibungen hinzu.
Rahmede und Oberhausen: Bauzeiten deutlich verkürzt
Die erste Hälfte der neuen Rahmedetalbrücke wurde im Dezember 2025 für den Verkehr freigegeben, rund sechs Monate früher als geplant. An der A516 in Oberhausen verkürzte ein Pilotprojekt mit Fertigteilen die Bauzeit für eine Brückenhälfte von zwei Jahren auf weniger als sieben Monate. Der erste Überbau ist seit Juli 2026 freigegeben. Die Erfahrungen sollen auch beim Neubau der Bonner Nordbrücke genutzt werden.
Christian Hirte, Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesminister für Verkehr, bezeichnete eine moderne Infrastruktur als Voraussetzung für Wachstum und Wohlstand. Der Bund baue den Sanierungsstau ab und investiere Rekordmittel. Es brauche jedoch mehr Tempo. Mit dem Infrastruktur-Zukunftsgesetz habe der Bund die Voraussetzungen geschaffen, wichtige Vorhaben deutlich schneller zu planen und zu genehmigen. Bürger und Wirtschaft würden dies bald merken.
Mehr Erneuerungen bei Eisenbahnbrücken geplant
Der Vorstandsvorsitzende des Eisenbahn-Infrastrukturbetreibers, Dr. Philipp Nagl, kündigte für die Zeit ab 2027 ein neues Brückenprogramm für NRW an. Die Zahl der Brückenerneuerungen solle von 14 auf 23 pro Jahr steigen, die Instandhaltungsmittel sollten ebenfalls wachsen. Für das im Aufbau befindliche Brückenkompetenzzentrum NRW will der Betreiber bis Ende 2028 rund 90 zusätzliche Beschäftigte einstellen.
Nagl erklärte, im Westen Deutschlands müssten in den kommenden Jahren hunderte Brücken saniert oder erneuert werden. Mit dem Kompetenzzentrum bündle das Unternehmen seine Expertise und sorge für schnellere Bauvorhaben. Auch für Brücken über Wasserstraßen wird ein Modernisierungsprogramm aufgelegt, um die Ersatzrate zu erhöhen.
Kommunen erhalten Mittel aus dem Sondervermögen
Die Kommunen verantworten mit rund 15.000 Brücken fast die Hälfte aller Brücken in NRW. Das Land will sie künftig stärker bei Planung und Umsetzung unterstützen. Für die kommunalen Brücken werden zudem Mittel aus dem Sondervermögen bereitgestellt.
Die Hauptgeschäftsführer der kommunalen Spitzenverbände, Christian Schuchardt (Städtetag NRW), Dr. Martin Klein (Landkreistag NRW) und Christof Sommer (Städte- und Gemeindebund NRW), erklärten, die Infrastruktur benötige massive Investitionen. Die Kommunen könnten den Sanierungsstau nicht aus eigener Kraft auflösen. Sie forderten dauerhaft ausreichende Finanzmittel und eine enge Zusammenarbeit aller Akteure.
Mit der im November 2023 gestarteten Sanierungsoffensive sollen innerhalb von zehn Jahren 400 Brücken durch Neubauten ersetzt werden. 48 sind fertiggestellt, bei 50 hat der Bau begonnen, 25 weitere sind in Planung. In diesem Jahr wurden 42 Ersatzneubauten mit einem Volumen von 216,5 Millionen Euro neu aufgenommen.
Aus dem „NRW-Plan für gute Infrastruktur“ investiert das Land in den kommenden zwölf Jahren zusätzlich 1,5 Milliarden Euro. Weitere zwei Milliarden Euro aus dem Sondervermögen erhalten die Kommunen. Schwerpunkt ist der Ersatzneubau von Brücken, darunter die Brücke der Solidarität in Duisburg, die Theodor-Heuss-Brücke in Düsseldorf und die Severinsbrücke in Köln.
Dieser Text beruht auf einer Pressemitteilung des Ministeriums für Umwelt, Naturschutz und Verkehr des Landes NRW vom 18.09.2026 und wurde unter Zuhilfenahme von KI redaktionell aufgearbeitet.












