Definition: Was bedeutet Versiegelung?
Versiegelung bezeichnet die dauerhafte oder teilweise Abdeckung natürlicher Böden durch Gebäude, Straßen, Parkplätze, Pflasterflächen oder andere künstliche Oberflächen. Dadurch verliert der Boden einen Teil seiner natürlichen Funktionen. Wasser kann schlechter versickern, Bodenorganismen verlieren Lebensraum und der Austausch zwischen Boden und Atmosphäre wird eingeschränkt.

Besonders in Städten und dicht besiedelten Regionen ist Versiegelung weit verbreitet. Sie steht in engem Zusammenhang mit Siedlungsentwicklung, Verkehrsinfrastruktur und Flächenverbrauch. Aus ökologischer Sicht ist sie problematisch, weil Boden nur sehr langsam neu entsteht und viele seiner Funktionen nach einer vollständigen Überbauung kaum noch wirksam sind.
Formen der Versiegelung
Versiegelung kann unterschiedlich stark ausgeprägt sein. Vollständig versiegelte Flächen bestehen beispielsweise aus Asphalt, Beton oder Gebäuden, unter denen kein direkter Austausch mit der Oberfläche stattfindet.
Teilversiegelte Flächen lassen dagegen begrenzt Wasser oder Luft durch, etwa bestimmte Pflasterungen mit offenen Fugen.
Vollversiegelung
Bei einer Vollversiegelung ist der Boden nahezu vollständig von einer undurchlässigen Oberfläche bedeckt.
Regenwasser kann kaum versickern und wird in der Regel über Entwässerungssysteme abgeleitet.
Teilversiegelung
Teilversiegelte Flächen bestehen aus Materialien, die zumindest einen begrenzten Wasser- und Luftaustausch ermöglichen.
Dazu gehören beispielsweise Rasengittersteine, wasserdurchlässige Pflasterungen oder Schotterflächen.
Durchlässigkeit
Wie viel Wasser tatsächlich versickert, hängt von Bauweise, Untergrund und Pflegezustand ab.
Auch eine grundsätzlich durchlässige Oberfläche kann durch Verdichtung oder Verschlämmung ihre Aufnahmefähigkeit verlieren.
Ursachen der Versiegelung
Die wichtigsten Ursachen sind Siedlungsbau, Gewerbegebiete, Straßen, Parkplätze und andere Infrastrukturen.
Mit wachsender Bevölkerung, steigendem Wohnflächenbedarf und zunehmender Verkehrsfläche steigt häufig auch die versiegelte Fläche.
Flächenverbrauch
Versiegelung ist eng mit Flächenverbrauch verbunden, aber nicht mit ihm identisch.
Auch unversiegelte Siedlungsflächen gehören zum Flächenverbrauch, während Versiegelung die tatsächliche Abdichtung des Bodens beschreibt.
Bodenfunktionen
Böden erfüllen zahlreiche ökologische Funktionen. Sie speichern Wasser, filtern Stoffe, binden Kohlenstoff und bieten Lebensraum für Mikroorganismen, Pilze und Tiere.
Durch Versiegelung werden viele dieser Funktionen stark eingeschränkt oder vollständig unterbrochen.
Lebensraum Boden
Ein gesunder Boden enthält eine große Vielfalt an Organismen, darunter Bakterien, Pilze, Regenwürmer und zahlreiche Kleintiere.
Unter vollständig versiegelten Flächen können diese Lebensgemeinschaften stark zurückgehen.
Versiegelung und Wasserhaushalt
Unversiegelte Böden nehmen einen Teil des Niederschlags auf und speichern ihn vorübergehend.
Versiegelte Flächen verhindern diesen natürlichen Wasserrückhalt weitgehend.
Oberflächenabfluss
Regenwasser fließt auf versiegelten Flächen schnell oberirdisch ab.
Dadurch entstehen höhere und schnellere Abflussspitzen als auf naturnahen Flächen.
Grundwasserneubildung
Ein Teil des Niederschlags versickert normalerweise in tiefere Bodenschichten und trägt zur Neubildung von Grundwasser bei.
Versiegelung reduziert diese Versickerung.
Regionale Auswirkungen
Bei großflächiger Versiegelung kann die lokale Grundwasserneubildung sinken.
Dies ist besonders in Regionen problematisch, in denen Grundwasser eine wichtige Trinkwasserquelle darstellt.
Versiegelung und Starkregen
Bei Starkregen treffen große Wassermengen innerhalb kurzer Zeit auf die Oberfläche.
Versiegelte Flächen können diese Mengen kaum aufnehmen und leiten sie rasch in Kanalisationen und tiefer gelegene Bereiche weiter.
Überlastung der Kanalisation
Entwässerungssysteme besitzen eine begrenzte Kapazität.
Bei extremen Niederschlägen kann Wasser deshalb auf Straßen zurückstauen oder in Gebäude eindringen.
Sturzfluten in Städten
In dicht bebauten Gebieten kann Wasser entlang von Straßen und Geländesenken schnell abfließen.
Dabei können innerhalb kurzer Zeit gefährliche Strömungen entstehen.
Notwasserwege
Städte können bestimmte Straßen oder Grünzüge so planen, dass sie im Extremfall kontrolliert Wasser ableiten.
Solche Notwasserwege ergänzen die normale Kanalisation.
Versiegelung und Hochwasser
In großen Einzugsgebieten trägt Versiegelung dazu bei, dass Niederschlagswasser schneller in Bäche und Flüsse gelangt.
Dadurch können Hochwasserspitzen verstärkt werden.
Dezentraler Wasserrückhalt
Grünflächen, Mulden und unversiegelte Böden halten Wasser zurück und verzögern den Abfluss.
Je mehr Wasser dezentral gespeichert wird, desto geringer ist die unmittelbare Belastung von Gewässern.
Versiegelung und Stadtklima
Versiegelte Oberflächen erwärmen sich bei Sonneneinstrahlung häufig stärker als vegetationsbedeckte Flächen.
Asphalt, Beton und dunkle Dachflächen können große Wärmemengen aufnehmen und später wieder abgeben.
Städtische Wärmeinsel
Städte sind daher häufig wärmer als ihr weniger bebautes Umland.
Dieser Wärmeinseleffekt kann besonders während sommerlicher Hitzewellen die Belastung erhöhen.
Verdunstung
Pflanzen und feuchte Böden kühlen ihre Umgebung durch Verdunstung.
Versiegelte Flächen besitzen diese Kühlwirkung nur in sehr geringem Maß.
Evapotranspiration
Die gemeinsame Wasserabgabe von Boden und Pflanzen wird als Evapotranspiration bezeichnet.
Grünflächen können dadurch einen wichtigen Beitrag zur Abkühlung städtischer Räume leisten.
Versiegelung und Biodiversität
Versiegelung zerstört oder verkleinert Lebensräume. Besonders betroffen sind Bodenorganismen, Pflanzen und Tiere, die offene oder strukturreiche Flächen benötigen.
Gleichzeitig können Siedlungs- und Verkehrsflächen natürliche Lebensräume voneinander trennen.
Fragmentierung
Durch Straßen, Gebäude und andere Barrieren werden zusammenhängende Lebensräume in kleinere Teilflächen aufgeteilt.
Dies kann Wanderungen und genetischen Austausch zwischen Populationen erschweren.
Versiegelung und Landwirtschaft
Werden landwirtschaftliche Böden überbaut, gehen ihre Produktionsfunktionen dauerhaft oder langfristig verloren.
Besonders fruchtbare Böden sind daher aus Sicht der Ernährungssicherung und des Bodenschutzes besonders wertvoll.
Irreversibilität
Nach jahrzehntelanger Überbauung lässt sich ein natürlicher Bodenaufbau nur schwer wiederherstellen.
Entsiegelung kann zwar Funktionen zurückbringen, ersetzt aber nicht automatisch den ursprünglichen Boden.
Versiegelung und Kohlenstoff
Böden speichern große Mengen organischen Kohlenstoffs. Baumaßnahmen können Bodenprofile verändern oder Humus entfernen.
Dadurch können gespeicherte Kohlenstoffvorräte teilweise verloren gehen.
Bodenabtrag
Vor Bauprojekten wird häufig der Oberboden entfernt und an anderer Stelle gelagert oder verwendet.
Eine fachgerechte Behandlung ist wichtig, damit seine Funktionen möglichst erhalten bleiben.
Versiegelung und Wasserqualität
Auf Straßen und Parkplätzen sammeln sich Schadstoffe aus Reifenabrieb, Bremsen, Fahrzeugen und atmosphärischen Ablagerungen.
Regenwasser kann diese Stoffe aufnehmen und in Gewässer transportieren.
Straßenabfluss
Straßenabwasser kann Metalle, Mikroplastik, Ölreste und andere Schadstoffe enthalten.
Je nach Belastung sind Rückhalt und Behandlung vor der Einleitung sinnvoll oder erforderlich.
Versiegelung und Kanalisation
Mit zunehmender versiegelter Fläche steigt die Menge des Regenwassers, das technisch abgeführt werden muss.
Dies erhöht die Anforderungen an Kanäle, Rückhaltebecken und Kläranlagen.
Mischkanalisation
In Mischsystemen werden Regen- und Schmutzwasser gemeinsam transportiert.
Bei Starkregen können große Zuflüsse zu Entlastungen führen, bei denen nicht vollständig gereinigtes Mischwasser in Gewässer gelangt.
Entsiegelung
Entsiegelung bezeichnet die Entfernung nicht mehr benötigter wasserundurchlässiger Oberflächen.
Asphalt oder Beton werden dabei entfernt, damit der Boden wieder teilweise natürliche Funktionen übernehmen kann.
Wiederherstellung von Bodenfunktionen
Nach dem Rückbau können Bodenlockerung, Begrünung und gegebenenfalls neuer Oberboden notwendig sein.
Die ökologische Verbesserung hängt davon ab, wie stark der Untergrund zuvor verändert wurde.
Schwammstadt
Das Schwammstadtprinzip zielt darauf ab, Regenwasser möglichst dort zurückzuhalten, wo es fällt.
Versickerung, Speicherung und Verdunstung ersetzen dabei teilweise die schnelle Ableitung über Kanäle.
Mulden und Rigolen
Mulden sammeln Regenwasser an der Oberfläche. Rigolen speichern Wasser zeitweise im Untergrund und ermöglichen eine verzögerte Versickerung.
Beide Systeme können die Kanalisation entlasten.
Gründächer
Begrünte Dächer speichern einen Teil des Niederschlags in Substrat und Vegetation.
Das Wasser wird später teilweise verdunstet oder zeitlich verzögert abgegeben.
Mehrfachnutzen
Gründächer können gleichzeitig Regenwasser zurückhalten, Gebäude thermisch unterstützen und Lebensräume für Insekten schaffen.
Ihre Wirkung hängt von Aufbau und Vegetation ab.
Fassadenbegrünung
Begrünte Fassaden reduzieren zwar nicht unmittelbar Bodenversiegelung, können aber ökologische Folgen dichter Bebauung abmildern.
Pflanzen bieten Verschattung und Verdunstungskühlung.
Stadtklima
Besonders in stark versiegelten Quartieren können zusätzliche Grünflächen an Gebäuden zur Verbesserung des Mikroklimas beitragen.
Sie ersetzen jedoch keine unversiegelten Bodenflächen.
Durchlässige Beläge
Wasserdurchlässige Pflasterungen ermöglichen einen Teil des Niederschlags direkt vor Ort zu versickern.
Sie können auf Parkplätzen, Höfen und wenig belasteten Verkehrsflächen eingesetzt werden.
Pflege
Feine Sedimente können Poren und Fugen langfristig verstopfen.
Regelmäßige Pflege ist daher wichtig, um die Versickerungsleistung zu erhalten.
Nachverdichtung
Nachverdichtung nutzt bereits erschlossene Siedlungsflächen intensiver, anstatt neue Flächen am Stadtrand zu bebauen.
Dadurch kann zusätzlicher Flächenverbrauch reduziert werden.
Zielkonflikte
Zu starke Nachverdichtung kann jedoch innerstädtische Grünflächen verdrängen und die lokale Versiegelung erhöhen.
Eine nachhaltige Planung muss Flächensparen und ausreichende Grünstrukturen miteinander verbinden.
Flächenrecycling
Beim Flächenrecycling werden bereits genutzte oder brachliegende Grundstücke einer neuen Nutzung zugeführt.
Dadurch kann die Bebauung unberührter Flächen vermieden werden.
Brachflächen
Ehemalige Industrie- oder Gewerbeflächen können nach Sanierung neu genutzt werden.
Dies verbindet Stadtentwicklung mit Boden- und Flächenschutz.
Versiegelung und Klimaanpassung
Mit häufigeren Hitzeperioden und intensiveren Starkregenereignissen wird der Umgang mit versiegelten Flächen wichtiger.
Städte benötigen mehr Möglichkeiten zur Kühlung und Wasserspeicherung.
Blau-grüne Infrastruktur
Blau-grüne Infrastruktur verbindet Vegetation und Wassermanagement.
Parks, Bäume, offene Wasserflächen und Versickerungssysteme können Hitze- und Starkregenrisiken gleichzeitig reduzieren.
Planung und Flächenschutz
Langfristige Begrenzung der Versiegelung beginnt in der Raum- und Stadtplanung.
Neue Bauflächen sollten möglichst sparsam ausgewiesen und bereits vorhandene Flächen besser genutzt werden.
Flächeneffizienz
Kompaktere Bebauung kann den Flächenbedarf pro Person oder Arbeitsplatz reduzieren.
Gleichzeitig müssen ausreichend Grün- und Freiflächen erhalten bleiben.
Zusammenfassung
Versiegelung bezeichnet die Abdeckung natürlicher Böden durch Gebäude, Straßen und andere künstliche Oberflächen. Dadurch werden Wasseraufnahme, Grundwasserneubildung, Bodenleben und natürliche Kühlung eingeschränkt.
Große versiegelte Flächen verstärken Oberflächenabfluss, Starkregenprobleme und städtische Hitze. Entsiegelung, wasserdurchlässige Beläge, Gründächer, Flächenrecycling und eine wassersensible Stadtplanung können diese Folgen reduzieren. Der langfristige Schutz unversiegelter Böden bleibt jedoch besonders wichtig, da natürliche Bodenfunktionen nur sehr langsam wiederhergestellt werden können.











