Definition: Was sind Stickoxide?
Stickoxide sind gasförmige Verbindungen aus Stickstoff und Sauerstoff. Im Zusammenhang mit Luftreinhaltung bezeichnet der Begriff vor allem Stickstoffmonoxid NO und Stickstoffdioxid NO₂, die gemeinsam häufig als NOx zusammengefasst werden. Sie entstehen insbesondere bei Verbrennungsprozessen unter hohen Temperaturen.

Stickoxide gehören zu den bedeutenden Luftschadstoffen. Sie können die Atemwege belasten und wirken an der Bildung von bodennahem Ozon, Feinstaub und sauren Verbindungen mit. Wichtige Quellen sind Straßenverkehr, Kraftwerke, Industrieanlagen und andere Feuerungsprozesse.
Entstehung von Stickoxiden
Die Erdatmosphäre besteht überwiegend aus molekularem Stickstoff und Sauerstoff. Unter normalen Bedingungen reagieren diese Gase nur sehr langsam miteinander.
Bei hohen Temperaturen können die stabilen Moleküle jedoch aufgebrochen werden. Stickstoff und Sauerstoff reagieren dann miteinander und bilden Stickoxide.
Thermisches NOx
Thermisches NOx entsteht vor allem bei hohen Verbrennungstemperaturen. Je heißer der Verbrennungsprozess ist, desto stärker kann die Bildung zunehmen.
Motoren, Kraftwerke und industrielle Feuerungen gehören deshalb zu wichtigen Quellen.
Stickstoffmonoxid
Stickstoffmonoxid ist ein farbloses Gas und wird bei vielen Verbrennungsprozessen zunächst in größeren Mengen freigesetzt.
In der Atmosphäre reagiert es relativ schnell mit anderen Verbindungen und kann zu Stickstoffdioxid oxidiert werden.
Umwandlung zu Stickstoffdioxid
Stickstoffmonoxid reagiert beispielsweise mit Ozon zu Stickstoffdioxid und Sauerstoff.
Dadurch verändert sich die Zusammensetzung von Stickoxiden nach ihrer Freisetzung fortlaufend.
Stickstoffdioxid
Stickstoffdioxid ist ein rötlich-braunes, reaktives Gas mit stechendem Geruch. In der Außenluft tritt es meist in deutlich niedrigeren Konzentrationen auf als unmittelbar in konzentrierten technischen Gasgemischen.
NO₂ ist sowohl selbst gesundheitsschädlich als auch Ausgangsstoff für weitere atmosphärische Reaktionen.
Reaktivität
Stickstoffdioxid reagiert mit Sonnenlicht, Wasser und anderen Luftbestandteilen.
Dadurch trägt es zur Bildung von Ozon, Nitratpartikeln und Salpetersäure bei.
Stickoxide aus dem Straßenverkehr
Verbrennungsmotoren erzeugen Stickoxide durch die hohen Temperaturen im Brennraum. Besonders Dieselmotoren waren lange eine bedeutende Quelle städtischer NOx-Emissionen.
Die tatsächlichen Emissionen hängen von Motorentechnik, Abgasnachbehandlung, Fahrweise und Betriebszustand ab.
Dieselmotoren
Dieselmotoren arbeiten häufig mit Luftüberschuss und hohen Verbrennungstemperaturen. Dadurch können vergleichsweise hohe Stickoxidemissionen entstehen.
Moderne Abgasnachbehandlung kann diese Emissionen deutlich reduzieren.
Abgasnachbehandlung
Zur Verringerung von Stickoxiden werden unterschiedliche technische Verfahren eingesetzt. Bei Fahrzeugen kommen unter anderem Abgasrückführung, Speicherkatalysatoren und SCR-Systeme zum Einsatz.
Ziel ist es, Stickoxide bereits bei ihrer Entstehung zu begrenzen oder anschließend chemisch umzuwandeln.
SCR-Katalysator
Bei der selektiven katalytischen Reduktion werden Stickoxide mit Hilfe eines Reduktionsmittels zu Stickstoff und Wasser umgewandelt.
Das Verfahren wird sowohl bei Fahrzeugen als auch in größeren Industrie- und Kraftwerksanlagen eingesetzt.
Abgasrückführung
Bei der Abgasrückführung wird ein Teil der Verbrennungsabgase erneut in den Brennraum geleitet.
Dadurch sinkt die maximale Verbrennungstemperatur, was die Bildung thermischer Stickoxide reduzieren kann.
Zielkonflikte
Die Optimierung eines Verbrennungsprozesses muss unterschiedliche Schadstoffe und Effizienz berücksichtigen.
Maßnahmen zur Stickoxidminderung können deshalb mit anderen Parametern wie Partikelbildung oder Kraftstoffverbrauch abgestimmt werden müssen.
Kraftwerke als Stickoxidquelle
Kohle-, Gas- und andere Verbrennungskraftwerke können Stickoxide freisetzen. Die Menge hängt von Brennstoff, Feuerungstemperatur und Anlagentechnik ab.
Große Anlagen verfügen deshalb über spezielle Systeme zur Emissionsminderung.
Rauchgasentstickung
Bei der Rauchgasentstickung werden Stickoxide nach der Verbrennung chemisch umgewandelt.
Katalytische und nicht katalytische Verfahren können dabei eingesetzt werden.
Industrie und Gewerbe
Industrieöfen, Zementwerke, Raffinerien und andere Hochtemperaturprozesse können ebenfalls Stickoxide erzeugen.
Besonders Prozesse mit großen Brennstoffmengen oder hohen Temperaturen sind relevant.
Primärmaßnahmen
Primärmaßnahmen reduzieren die Stickoxidbildung direkt im Verbrennungsprozess. Dazu gehören beispielsweise abgestufte Verbrennung oder angepasste Brenner.
Sie können mit nachgeschalteter Abgasreinigung kombiniert werden.
Stickoxide aus Heizungen
Auch Gebäudeheizungen können Stickoxide erzeugen, wenn Erdgas, Heizöl oder andere Brennstoffe verbrannt werden.
Einzelne Anlagen sind vergleichsweise klein, ihre große Zahl kann jedoch zu regionalen Emissionen beitragen.
Emissionsarme Wärmeerzeugung
Der Ersatz von Verbrennungsheizungen durch Wärmepumpen oder andere nicht direkt verbrennende Systeme kann lokale Stickoxidemissionen verringern.
Die Gesamtwirkung hängt dabei auch davon ab, wie der benötigte Strom erzeugt wird.
Stickoxide in Städten
In dicht bebauten Städten können hohe Stickoxidkonzentrationen besonders entlang stark befahrener Straßen auftreten.
Gebäude können die Durchlüftung von Straßenschluchten erschweren und dadurch Schadstoffe in Bodennähe halten.
Straßenschluchten
Hohe Gebäude auf beiden Seiten einer Straße verringern teilweise den Luftaustausch.
Dadurch können direkt ausgestoßene Schadstoffe höhere Konzentrationen erreichen als in offenem Gelände.
Gesundheitliche Auswirkungen
Besonders Stickstoffdioxid kann die Atemwege reizen und Entzündungsprozesse beeinflussen. Langfristige Belastungen stehen im Zusammenhang mit gesundheitlichen Risiken für das Atmungssystem.
Menschen mit bestehenden Atemwegserkrankungen und Kinder können empfindlicher reagieren.
Lungenfunktion
Hohe NO₂-Belastungen können die Atemwege beeinträchtigen und die Reaktion auf andere Luftschadstoffe oder Allergene verstärken.
Deshalb ist Stickstoffdioxid ein wichtiger Parameter der Luftqualitätsüberwachung.
Stickoxide und Ozon
Stickoxide spielen eine zentrale Rolle bei der Bildung und dem Abbau von bodennahem Ozon. Die chemischen Prozesse sind komplex und hängen von Sonnenlicht sowie weiteren Luftschadstoffen ab.
Besonders in Verbindung mit flüchtigen organischen Verbindungen kann sich bei starker Sonneneinstrahlung photochemischer Smog bilden.
Photochemische Ozonbildung
Stickstoffdioxid kann durch Sonnenlicht aufgespalten werden. Dabei entsteht reaktiver Sauerstoff, der mit molekularem Sauerstoff Ozon bilden kann.
Weitere Reaktionen bestimmen anschließend, ob sich Ozon anreichert oder wieder abgebaut wird.
Sommersmog
An heißen und sonnigen Tagen kann die photochemische Aktivität besonders hoch sein. Dadurch steigen in bestimmten Regionen die Ozonkonzentrationen.
Stickoxide sind daher wichtige Vorläuferstoffe des Sommersmogs.
Transport ins Umland
Stickoxide und andere Vorläuferstoffe können mit Luftströmungen aus Städten in das Umland transportiert werden.
Dort können photochemische Reaktionen weiterlaufen, sodass hohe Ozonwerte teilweise fern von den ursprünglichen Emissionsquellen auftreten.
Stickoxide und Feinstaub
Stickoxide tragen nicht nur zur Ozonbildung bei, sondern können auch sekundären Feinstaub erzeugen.
Stickstoffdioxid wird in der Atmosphäre teilweise zu Salpetersäure und Nitratverbindungen umgewandelt.
Ammoniumnitrat
Salpetersäure kann mit Ammoniak reagieren und Ammoniumnitrat bilden.
Dieses Salz kann als feines Partikel in der Atmosphäre vorkommen und trägt zur PM2,5-Belastung bei.
Stickoxide und saurer Regen
Stickoxide können in der Atmosphäre zu Salpetersäure umgewandelt werden. Diese gelangt über Niederschläge oder trockene Ablagerung auf Böden und Gewässer.
Dadurch tragen Stickoxide zur Versauerung von Ökosystemen bei.
Versauerung
Wird langfristig mehr Säure eingetragen, als Böden neutralisieren können, sinkt der pH-Wert.
Dadurch können Nährstoffe ausgewaschen und bestimmte Metalle mobilisiert werden.
Stickstoffeinträge in Ökosysteme
Stickoxide sind zugleich eine Quelle reaktiven Stickstoffs. Nach ihrer Umwandlung können Stickstoffverbindungen in Böden und Gewässer gelangen.
In nährstoffarmen Ökosystemen kann dies die natürlichen Standortbedingungen verändern.
Überdüngung
Zusätzlicher Stickstoff fördert bestimmte schnell wachsende Pflanzenarten. Arten, die an nährstoffarme Bedingungen angepasst sind, können dadurch verdrängt werden.
Atmosphärische Stickstoffeinträge tragen deshalb zum Verlust bestimmter Lebensräume und Arten bei.
Wälder und Stickoxide
Stickstoffverbindungen aus der Atmosphäre können in Waldökosysteme eingetragen werden. Kurzfristig kann zusätzlicher Stickstoff das Pflanzenwachstum fördern.
Langfristig können hohe Einträge jedoch Nährstoffverhältnisse und Bodenchemie verändern.
Nährstoffungleichgewichte
Eine starke Stickstoffversorgung kann den Bedarf an anderen Nährstoffen erhöhen oder deren Verfügbarkeit verändern.
Dadurch können ökologische Ungleichgewichte entstehen.
Stickoxide und Klima
Stickoxide sind keine klassischen langlebigen Treibhausgase, beeinflussen aber die Atmosphärenchemie und damit das Klima indirekt.
Sie wirken beispielsweise auf die Bildung von Ozon und die Lebensdauer anderer klimawirksamer Verbindungen.
Komplexe Klimawirkung
Die klimatische Gesamtwirkung von Stickoxid-Emissionen hängt von Höhe, Ort und chemischer Umgebung ab.
Aus Sicht von Luftqualität und Ökosystemschutz bleibt ihre Reduzierung unabhängig davon von großer Bedeutung.
Messung von Stickoxiden
Stickstoffdioxid und andere Luftschadstoffe werden an Messstationen kontinuierlich überwacht.
Besonders relevant sind Standorte an stark befahrenen Straßen und Messstationen für die städtische oder regionale Hintergrundbelastung.
Langzeitmessungen
Langfristige Messreihen zeigen, wie sich Emissionen und Luftqualität verändern.
Sie dienen als Grundlage für Luftreinhaltepolitik und die Bewertung von Minderungsmaßnahmen.
Luftreinhaltung
Stickoxidemissionen können durch technische Verbesserungen, veränderte Verkehrssysteme und den Ersatz von Verbrennungsprozessen reduziert werden.
Besonders wirksam sind Maßnahmen, die Emissionen direkt an der Quelle vermeiden.
Elektrifizierung
Elektromotoren erzeugen während des Betriebs keine Stickoxide aus Kraftstoffverbrennung. Die Elektrifizierung von Verkehr und Wärme kann deshalb lokale NOx-Emissionen deutlich verringern.
Wie groß der gesamte Vorteil ist, hängt unter anderem von der Stromerzeugung ab.
Erneuerbare Energien
Windkraft und Photovoltaik erzeugen Strom ohne Verbrennungsprozesse. Im Betrieb entstehen daher keine direkten Stickoxidemissionen.
Der Ersatz fossiler Kraftwerke durch erneuerbare Stromerzeugung verbessert somit nicht nur die Klimabilanz, sondern kann auch die Luftschadstoffbelastung reduzieren.
Zusammenfassung
Stickoxide sind reaktive Verbindungen aus Stickstoff und Sauerstoff, insbesondere Stickstoffmonoxid und Stickstoffdioxid. Sie entstehen hauptsächlich bei Verbrennungsprozessen mit hohen Temperaturen und werden unter anderem durch Verkehr, Kraftwerke, Industrie und Heizungen freigesetzt.
Stickoxide belasten die Atemwege und tragen zur Bildung von Ozon, Feinstaub, sauren Verbindungen und übermäßigen Stickstoffeinträgen in Ökosysteme bei. Abgasreinigung, effizientere Verbrennung und der Ersatz fossiler Verbrennungsprozesse durch erneuerbaren Strom und andere emissionsarme Technologien sind zentrale Maßnahmen zur Reduzierung der Belastung.











