Definition: Was bedeutet Nitrat?
Nitrat ist eine chemische Verbindung des Stickstoffs und gehört zu den wichtigsten pflanzenverfügbaren Stickstoffformen in Böden und Gewässern. Chemisch handelt es sich um das negativ geladene Nitrat-Ion NO₃⁻. Nitrat entsteht im natürlichen Stickstoffkreislauf vor allem durch die Umwandlung anderer stickstoffhaltiger Verbindungen und ist für das Wachstum von Pflanzen von großer Bedeutung. Gleichzeitig kann eine übermäßige Anreicherung von Nitrat in Böden, Grundwasser und Oberflächengewässern erhebliche ökologische und gesundheitliche Probleme verursachen.

In der Umwelt kommt Nitrat sowohl auf natürliche Weise als auch durch menschliche Aktivitäten vor. Besonders große Mengen können durch landwirtschaftliche Düngung, Gülle, Abwasser und bestimmte industrielle Prozesse freigesetzt werden. Da Nitrat sehr gut wasserlöslich ist und nur vergleichsweise schwach an Bodenbestandteile gebunden wird, kann es leicht mit Sickerwasser in tiefere Bodenschichten und schließlich in das Grundwasser gelangen.
Entstehung von Nitrat
Nitrat entsteht als Teil des natürlichen Stickstoffkreislaufs. Stickstoff ist ein lebensnotwendiges Element und Bestandteil von Proteinen, Erbmaterial und zahlreichen weiteren biologischen Verbindungen. Der größte Teil des Stickstoffs befindet sich als molekularer Stickstoff in der Atmosphäre. In dieser Form kann er von den meisten Pflanzen jedoch nicht direkt genutzt werden.
Damit Stickstoff für Pflanzen verfügbar wird, muss er zunächst in andere chemische Verbindungen überführt werden. Dies geschieht beispielsweise durch stickstoffbindende Mikroorganismen, durch biologische Zersetzungsprozesse oder durch technische Verfahren zur Herstellung von Stickstoffdüngern. Im Boden können organische Stickstoffverbindungen zunächst zu Ammonium und anschließend zu Nitrit und Nitrat umgewandelt werden.
Nitrifikation im Boden
Die Umwandlung von Ammonium zu Nitrat wird als Nitrifikation bezeichnet. Dabei spielen spezielle Mikroorganismen eine zentrale Rolle. In einem ersten Schritt wird Ammonium zu Nitrit oxidiert. Anschließend wird Nitrit weiter zu Nitrat umgewandelt. Diese Prozesse laufen vor allem in sauerstoffreichen Böden ab.
Das entstehende Nitrat kann von Pflanzen über ihre Wurzeln aufgenommen werden. Es dient ihnen als wichtige Stickstoffquelle und wird innerhalb der Pflanze für den Aufbau von Aminosäuren, Proteinen und anderen Verbindungen verwendet. Wird jedoch mehr Nitrat gebildet oder zugeführt, als Pflanzen und Mikroorganismen aufnehmen können, verbleibt ein Überschuss im Boden.
Nitrat in der Landwirtschaft
In der Landwirtschaft spielt Nitrat eine wichtige Rolle, weil Stickstoff zu den wichtigsten Pflanzennährstoffen gehört. Nutzpflanzen benötigen Stickstoff für Wachstum, Blattbildung und Ertragsentwicklung. Um ausreichend Nährstoffe bereitzustellen, werden mineralische Stickstoffdünger sowie organische Dünger wie Gülle und Mist eingesetzt.
Eine bedarfsgerechte Düngung kann dazu beitragen, Pflanzen optimal zu versorgen. Problematisch wird es, wenn mehr Stickstoff ausgebracht wird, als die Pflanzen aufnehmen können. Überschüssiger Stickstoff kann im Boden zu Nitrat umgewandelt und anschließend mit dem Sickerwasser ausgewaschen werden. Das Risiko ist besonders hoch, wenn große Düngermengen auf wenig bewachsenen Flächen ausgebracht werden oder starke Niederschläge auftreten.
Auswaschung aus Böden
Nitrat besitzt eine negative elektrische Ladung und wird von vielen ebenfalls negativ geladenen Bodenbestandteilen nur schwach festgehalten. Dadurch ist es besonders mobil. Niederschlagswasser kann das Nitrat durch den Boden transportieren. Dieser Vorgang wird als Nitratauswaschung bezeichnet.
Wie stark Nitrat ausgewaschen wird, hängt von zahlreichen Faktoren ab. Dazu gehören Bodenart, Niederschlagsmenge, Vegetation, Jahreszeit und Düngungsintensität. Sandige Böden besitzen häufig eine geringere Speicherfähigkeit als ton- oder humusreiche Böden. Gleichzeitig können Regionen mit hohen Niederschlägen stärker von Auswaschung betroffen sein.
Nitrat im Grundwasser
Gelangen größere Mengen Nitrat in tiefere Bodenschichten, können sie schließlich das Grundwasser erreichen. Da sich Grundwasser häufig nur langsam bewegt, können einmal entstandene Belastungen über viele Jahre bestehen bleiben. Besonders problematisch sind Regionen, in denen große Mengen stickstoffhaltiger Dünger eingesetzt werden und gleichzeitig eine hohe Grundwasserneubildung stattfindet.
Grundwasser ist in vielen Gebieten eine wichtige Grundlage für die Trinkwasserversorgung. Hohe Nitratkonzentrationen können deshalb die Aufbereitung von Trinkwasser erschweren. Wasserversorger können belastete Brunnen weniger stark nutzen, Wasser verschiedener Herkunft mischen oder zusätzliche Maßnahmen zur Wasseraufbereitung einsetzen.
Nitrat in Oberflächengewässern
Nitrat kann nicht nur in das Grundwasser, sondern auch in Flüsse, Seen und Küstengewässer gelangen. Der Transport erfolgt beispielsweise über Oberflächenabfluss, Drainagen, Grundwasserzuflüsse oder Abwassereinleitungen. Stickstoffverbindungen wirken in Gewässern als Nährstoffe und können das Wachstum von Algen und Wasserpflanzen fördern.
Ein übermäßiger Nährstoffeintrag wird als Eutrophierung bezeichnet. Dabei kann sich die biologische Produktion in Gewässern stark erhöhen. Sterben große Mengen von Algen ab, werden sie von Mikroorganismen zersetzt. Dieser Abbau verbraucht Sauerstoff und kann insbesondere in schlecht durchmischten Gewässern zu Sauerstoffmangel führen.
Folgen für Ökosysteme
Eine dauerhaft hohe Nährstoffbelastung kann die Zusammensetzung von Lebensgemeinschaften verändern. Pflanzenarten, die besonders gut mit hohen Stickstoffmengen umgehen können, können andere Arten verdrängen. Auch in terrestrischen Ökosystemen kann ein hoher Stickstoffeintrag zu Veränderungen der Vegetation beitragen.
In Gewässern können starke Algenblüten die Lichtverhältnisse verschlechtern und dadurch Unterwasserpflanzen beeinträchtigen. Sauerstoffarme Bereiche können wiederum Fische, Muscheln und andere Wasserorganismen belasten. Die Auswirkungen hoher Nitrat- und Nährstoffeinträge reichen deshalb weit über die reine Wasserchemie hinaus.
Nitrat und Trinkwasser
Nitrat kann über Trinkwasser und Lebensmittel vom Menschen aufgenommen werden. Bestimmte Gemüsearten speichern natürlicherweise vergleichsweise große Mengen Nitrat. Die aufgenommenen Mengen hängen unter anderem von Ernährung, Anbauweise und Wasserqualität ab.
Im menschlichen Körper kann ein Teil des Nitrats zu Nitrit umgewandelt werden. Besonders bei Säuglingen können hohe Nitritmengen problematisch sein, weil Nitrit die Fähigkeit des Blutfarbstoffs Hämoglobin zur Sauerstoffbindung beeinträchtigen kann. Aus diesem Grund gelten für Trinkwasser gesetzlich festgelegte Grenzwerte.
Reduzierung von Nitratbelastungen
Die Verringerung von Nitratbelastungen setzt vor allem an den Stickstoffeinträgen an. Eine an den tatsächlichen Bedarf der Pflanzen angepasste Düngung kann überschüssige Stickstoffmengen reduzieren. Dabei spielen der Zeitpunkt der Düngung, die ausgebrachte Menge und die jeweiligen Boden- und Witterungsverhältnisse eine wichtige Rolle.
Zwischenfrüchte können nach der Ernte Stickstoff aufnehmen, der andernfalls während der niederschlagsreichen Jahreszeit ausgewaschen werden könnte. Auch eine vielfältige Fruchtfolge und der Erhalt humusreicher Böden können zu einer effizienteren Nutzung von Nährstoffen beitragen.
Denitrifikation
Unter bestimmten Bedingungen kann Nitrat durch Mikroorganismen wieder in gasförmige Stickstoffverbindungen umgewandelt werden. Dieser Prozess wird als Denitrifikation bezeichnet und findet vor allem in sauerstoffarmen Bereichen statt. Dabei kann letztlich elementarer Stickstoff entstehen, der in die Atmosphäre zurückkehrt.
Denitrifikation ist ein natürlicher Bestandteil des Stickstoffkreislaufs. Sie kann dazu beitragen, Nitrat aus Böden und Gewässern zu entfernen. Allerdings können bei unvollständigen Umwandlungsprozessen auch andere stickstoffhaltige Gase entstehen, darunter Lachgas, das als starkes Treibhausgas wirkt.
Bedeutung im Stickstoffkreislauf
Nitrat ist weder grundsätzlich ein Schadstoff noch ausschließlich ein Problem der Landwirtschaft. Es ist ein natürlicher Bestandteil des Stickstoffkreislaufs und für das Pflanzenwachstum unverzichtbar. Entscheidend ist die Menge, die sich in einem Ökosystem befindet, und ob der vorhandene Stickstoff von Pflanzen und Mikroorganismen genutzt werden kann.
Zu hohe Einträge stören das natürliche Gleichgewicht. Sie können Böden, Grundwasser, Flüsse, Seen und Küstengewässer belasten und Veränderungen in empfindlichen Ökosystemen auslösen. Der Umgang mit Nitrat steht deshalb beispielhaft für die Herausforderung, notwendige Nährstoffversorgung und vorsorgenden Umweltschutz miteinander zu verbinden.
Zusammenfassung
Nitrat ist eine wasserlösliche Stickstoffverbindung und eine wichtige Nährstoffquelle für Pflanzen. Es entsteht natürlicherweise im Stickstoffkreislauf und wird zusätzlich durch mineralische und organische Dünger in Böden eingebracht. Überschüssiges Nitrat kann leicht ausgewaschen werden und in Grundwasser sowie Oberflächengewässer gelangen.
Hohe Nitratbelastungen können die Trinkwasserversorgung erschweren, zur Überdüngung von Ökosystemen beitragen und die Wasserqualität beeinträchtigen. Eine bedarfsgerechte Düngung, geeignete Fruchtfolgen, Zwischenfrüchte und ein insgesamt effizienter Umgang mit Stickstoff sind wichtige Maßnahmen, um Verluste zu begrenzen und natürliche Wasser- und Stoffkreisläufe zu schützen.











