Definition: Was bedeutet Korallen?
Korallen sind sessile Meerestiere aus dem Stamm der Nesseltiere. Sie leben überwiegend in Kolonien und bilden bei vielen Arten feste Kalkskelette. Aus den Skeletten zahlreicher Generationen können über lange Zeit große Riffstrukturen entstehen.
Eine einzelne Koralle besteht aus vielen kleinen Polypen. Diese besitzen einen schlauchförmigen Körper, eine Mundöffnung und Tentakel mit Nesselzellen. Mit den Tentakeln fangen die Tiere Plankton und andere kleine Nahrungsteilchen aus dem Wasser.

Korallen kommen in tropischen, subtropischen und kalten Meeresgebieten vor. Besonders bekannt sind tropische Steinkorallen, die in lichtreichen Flachwasserzonen ausgedehnte Korallenriffe bilden. Daneben existieren Weichkorallen und Kaltwasserkorallen, die sich in Aufbau, Lebensweise und Verbreitung unterscheiden.
Aufbau und Lebensweise
Korallenpolypen sitzen mit ihrem unteren Körperende auf einem festen Untergrund oder innerhalb eines gemeinsam gebildeten Skeletts. Die Tentakel umgeben die Mundöffnung und dienen dem Nahrungserwerb sowie der Verteidigung.
Viele Korallenarten vermehren sich durch Knospung. Dabei bildet ein Polyp genetisch identische Tochterpolypen. Auf diese Weise wächst eine Kolonie und kann komplexe Formen entwickeln.
Nesselzellen
Nesselzellen sind spezialisierte Zellen der Nesseltiere. Sie enthalten kleine Kapseln mit aufgerollten Fäden, die bei Berührung explosionsartig ausgestoßen werden.
Die Fäden können Beutetiere festhalten oder lähmende Stoffe abgeben. Bei den meisten Korallen sind die Wirkungen für Menschen gering, einige Arten können jedoch schmerzhafte Hautreizungen verursachen.
Kalkskelett
Steinkorallen bilden aus Calcium und Carbonat ein festes Skelett aus Calciumcarbonat. Die Polypen sitzen in kleinen Vertiefungen auf der Oberfläche des Skeletts.
Nach dem Absterben einer Kolonie bleibt der Kalk zurück. Neue Korallen können darauf wachsen. Über viele Generationen entstehen dadurch mächtige Riffkörper.
Symbiose mit Algen
Viele tropische Korallen leben in enger Gemeinschaft mit einzelligen Algen. Diese Algen befinden sich im Gewebe der Polypen und betreiben Photosynthese.
Die Algen liefern den Korallen energiereiche Stoffe. Im Gegenzug erhalten sie Schutz, Kohlendioxid und Nährstoffe aus dem Stoffwechsel der Tiere. Diese Symbiose ermöglicht ein schnelles Wachstum in nährstoffarmen tropischen Gewässern.
Zooxanthellen
Die mit Korallen verbundenen Algen werden häufig als Zooxanthellen bezeichnet. Sie gehören zu verschiedenen Gruppen photosynthetisch aktiver Einzeller.
Ihre Farbstoffe verleihen vielen Korallen die typische braune, gelbliche oder grünliche Grundfärbung. Weitere Farben entstehen durch Pigmente und fluoreszierende Proteine im Korallengewebe.
Lichtbedarf
Da die symbiotischen Algen Licht benötigen, wachsen viele tropische Riffkorallen vor allem in flachen, klaren Meeresbereichen. Trübes Wasser verringert die Lichtmenge und beeinträchtigt die Photosynthese.
Sedimente können sich zusätzlich auf der Korallenoberfläche ablagern. Die Polypen müssen Energie aufwenden, um die Partikel durch Schleim und Bewegung zu entfernen.
Arten von Korallen
Korallen werden nach Körperbau, Skelettbildung und Verwandtschaft in verschiedene Gruppen eingeteilt. Nicht alle Arten bauen große Riffe.
Steinkorallen
Steinkorallen bilden massive Kalkskelette und sind die wichtigsten Erbauer tropischer Korallenriffe. Ihre Kolonien können verzweigte, kugelige, plattenförmige oder krustenartige Formen annehmen.
Die Wuchsform hängt von Art, Licht, Strömung, Wassertiefe und mechanischer Belastung ab. Stark verzweigte Arten wachsen häufig schnell, sind aber empfindlich gegenüber Stürmen.
Weichkorallen
Weichkorallen besitzen kein massives Außenskelett. Ihr Gewebe wird durch kleine Kalkkörper oder ein inneres Gerüst stabilisiert.
Sie bewegen sich stärker mit der Strömung und können fächer-, baum- oder lederartig aussehen. Viele Arten leben ebenfalls mit symbiotischen Algen.
Kaltwasserkorallen
Kaltwasserkorallen leben in tieferen, dunklen und kalten Meeresgebieten. Da dort kein ausreichendes Licht vorhanden ist, besitzen sie meist keine photosynthetischen Symbionten.
Sie ernähren sich von Plankton und organischen Partikeln. Auch Kaltwasserkorallen können große, artenreiche Riffstrukturen bilden.
Entstehung von Korallenriffen
Korallenriffe entstehen, wenn kalkbildende Organismen über lange Zeit mehr Material aufbauen, als durch Wellen, Fraß und chemische Auflösung verloren geht.
Neben Korallen tragen Kalkalgen, Muscheln, Schnecken und andere Organismen zum Riffkörper bei. Bruchstücke und Sedimente füllen Zwischenräume und werden teilweise verfestigt.
Saumriffe
Saumriffe wachsen unmittelbar an einer Küste oder in geringer Entfernung vom Land. Zwischen Riff und Ufer liegt meist nur eine schmale, flache Wasserzone.
Sie sind besonders stark von Einträgen aus Flüssen, Städten und Landwirtschaft betroffen.
Barriereriffe
Barriereriffe verlaufen in größerer Entfernung parallel zur Küste. Zwischen Riff und Land befindet sich eine breite Lagune.
Sie können sich über sehr große Entfernungen erstrecken und bilden einen wirksamen natürlichen Schutz gegen Wellen.
Atolle
Atolle sind ringförmige Riffe, die eine Lagune umschließen. Sie entstehen häufig um absinkende vulkanische Inseln.
Während die Insel langsam absinkt oder erodiert, wachsen die Korallen in Richtung Wasseroberfläche weiter. Am Ende bleibt ein ringförmiges Riff zurück.
Korallenriffe als Lebensraum
Korallenriffe gehören zu den artenreichsten Ökosystemen der Erde. Die dreidimensionale Riffstruktur bietet Höhlen, Spalten, Überhänge und offene Flächen.
Fische, Krebstiere, Muscheln, Schnecken, Würmer, Schwämme und zahlreiche andere Organismen nutzen diese Strukturen als Lebensraum.
Nahrungsnetze
Korallenriffe besitzen komplexe Nahrungsnetze. Algen und Plankton bilden wichtige Grundlagen, während Pflanzenfresser, Räuber und Zersetzer unterschiedliche Funktionen übernehmen.
Papageifische und andere Pflanzenfresser begrenzen den Algenbewuchs. Räuber beeinflussen kleinere Fischbestände, während Zersetzer organisches Material in den Stoffkreislauf zurückführen.
Kinderstube für Fische
Viele Fischarten nutzen Korallenriffe als Laichplatz und Aufwuchsgebiet. Jungfische finden zwischen Korallen Schutz vor größeren Räubern.
Seegraswiesen, Mangroven und Riffe bilden häufig miteinander verbundene Lebensräume. Tiere wechseln zwischen diesen Bereichen und transportieren Nährstoffe.
Bedeutung für den Menschen
Korallenriffe liefern Nahrung, schützen Küsten und sind Grundlage für Tourismus sowie Fischerei. Millionen Menschen leben in Regionen, deren wirtschaftliche und ökologische Stabilität von gesunden Riffen abhängt.
Küstenschutz
Riffe brechen Wellen bereits vor der Küste. Dadurch verringern sie Wellenenergie, Erosion und Überflutungsrisiken.
Stark geschädigte Riffe verlieren an Höhe und Struktur. Ihr Schutzwert nimmt ab, besonders wenn der Meeresspiegel steigt.
Fischerei
Riffgebiete liefern Fische, Muscheln und andere Meerestiere. Für viele Küstengemeinschaften sind sie eine wichtige Protein- und Einkommensquelle.
Überfischung verändert jedoch das ökologische Gleichgewicht. Fehlen Pflanzenfresser, können Algen Korallen überwachsen.
Tourismus
Tauchen, Schnorcheln und Küstentourismus schaffen Arbeitsplätze und Einnahmen. Unkontrollierter Tourismus kann Riffe jedoch durch Anker, Tritte, Abwasser und Küstenbebauung schädigen.
Eine naturverträgliche Nutzung begrenzt Besucherzahlen, schafft sichere Ankerplätze und schützt empfindliche Bereiche.
Korallenbleiche
Korallenbleiche entsteht, wenn Korallen ihre symbiotischen Algen verlieren oder deren Farbstoffe abgebaut werden. Das helle Kalkskelett scheint dann durch das transparente Gewebe.
Die wichtigste Ursache großflächiger Bleichen sind ungewöhnlich hohe Wassertemperaturen. Auch starke Sonneneinstrahlung, Schadstoffe oder Veränderungen des Salzgehalts können Stress auslösen.
Folgen der Bleiche
Gebleichte Korallen sind nicht sofort tot. Ohne die Energie der Algen sind sie jedoch geschwächt und anfälliger für Krankheiten.
Sinkt die Temperatur rechtzeitig, können Algen zurückkehren. Hält der Stress lange an, sterben die Polypen ab.
Wiederholte Hitzebelastung
Wiederholte marine Hitzewellen lassen Korallen nur wenig Zeit zur Erholung. Langsam wachsende Arten benötigen Jahre oder Jahrzehnte, um frühere Strukturen wiederherzustellen.
Schnell wachsende Arten können sich früher ausbreiten, bilden aber nicht immer dieselbe ökologische Vielfalt und Stabilität.
Ozeanversauerung
Die Meere nehmen Kohlendioxid aus der Atmosphäre auf. Im Wasser entstehen chemische Reaktionen, durch die der pH-Wert sinkt.
Gleichzeitig nimmt die Verfügbarkeit von Carbonat ab. Dieses Ion wird für den Aufbau von Kalkskeletten benötigt.
Verringerte Kalkbildung
Unter ungünstigen chemischen Bedingungen benötigen Korallen mehr Energie für die Skelettbildung. Das Wachstum kann sich verlangsamen.
Bestehende Riffstrukturen werden zugleich durch biologische und chemische Auflösung abgebaut. Sinkt der Aufbau unter den Verlust, verliert das Riff langfristig an Substanz.
Verschmutzung und Nährstoffeinträge
Abwasser, Dünger, Pestizide, Öl und Kunststoffe belasten Korallenriffe. Besonders Küstenriffe sind Einträgen aus Flüssen und Siedlungen ausgesetzt.
Überdüngung
Hohe Stickstoff- und Phosphoreinträge fördern das Wachstum von Algen. Diese konkurrieren mit Korallen um Licht und Raum.
Dichte Algenbestände können junge Korallen überwachsen und ihre Ansiedlung verhindern. Sauerstoffmangel kann zusätzliche Schäden verursachen.
Sedimente
Abholzung, Bauarbeiten und Landwirtschaft erhöhen den Eintrag von Bodenmaterial ins Meer. Sedimente trüben das Wasser und lagern sich auf Korallen ab.
Feine Partikel können Polypen ersticken und die Nahrungsaufnahme behindern. Besonders empfindlich sind langsam strömende Buchten.
Kunststoffabfälle
Kunststoffteile können Korallen mechanisch verletzen und den Kontakt mit Krankheitserregern begünstigen. Mikroplastik wird von einigen Polypen aufgenommen.
Die langfristigen Folgen unterscheiden sich zwischen Arten und Partikeltypen. Kunststoffverschmutzung wirkt gemeinsam mit anderen Belastungen.
Überfischung und zerstörerische Fischerei
Überfischung verringert wichtige Fischbestände und verändert das Nahrungsnetz. Besonders der Verlust algenfressender Arten kann die Erholung geschädigter Riffe behindern.
Dynamit- und Giftfischerei
Explosivstoffe zerstören Korallenstrukturen unmittelbar. Die Regeneration solcher Flächen kann sehr lange dauern.
Giftstoffe betäuben Fische, schädigen aber zugleich Korallen und andere Organismen. Beide Methoden verursachen erhebliche ökologische Schäden.
Beifang
Netze und andere Fanggeräte können Korallen abbrechen oder sich in ihnen verfangen. Verlorene Netze fangen weiterhin Tiere und beschädigen Strukturen.
Gezielte Fangmethoden und geschützte Zonen verringern diese Auswirkungen.
Krankheiten und invasive Arten
Korallen können von Bakterien, Pilzen und anderen Krankheitserregern befallen werden. Hohe Temperaturen und Verschmutzung erhöhen häufig die Anfälligkeit.
Invasive Arten können mit heimischen Organismen konkurrieren oder das Nahrungsnetz verändern.
Dornenkronenseestern
Der Dornenkronenseestern ernährt sich von Korallengewebe. Er gehört natürlicherweise zu vielen tropischen Riffen.
Bei Massenvermehrungen können große Riffbereiche geschädigt werden. Nährstoffeinträge und der Verlust natürlicher Feinde werden als mögliche begünstigende Faktoren betrachtet.
Schutz von Korallenriffen
Korallenschutz erfordert sowohl lokale als auch globale Maßnahmen. Lokale Belastungen können durch Abwasserreinigung, nachhaltige Fischerei und Küstenschutz reduziert werden.
Langfristig ist eine Begrenzung der globalen Erwärmung entscheidend. Ohne eine starke Verringerung der Treibhausgasemissionen nehmen Hitzestress und Versauerung weiter zu.
Meeresschutzgebiete
Meeresschutzgebiete begrenzen Fischerei, Tourismus und andere Nutzungen. Gut überwachte Gebiete können Fischbestände und ökologische Funktionen stabilisieren.
Sie schützen Riffe jedoch nicht vor globaler Erwärmung oder Versauerung. Ihre Wirkung ist daher Teil eines umfassenderen Schutzkonzepts.
Riffrestaurierung
Bei der Riffrestaurierung werden Korallenfragmente in Aufzuchtanlagen vermehrt und später auf geschädigte Flächen gesetzt.
Solche Maßnahmen können kleine Bereiche unterstützen, ersetzen aber nicht die Beseitigung der Ursachen. Umfangreiche Riffsysteme lassen sich nicht allein durch Pflanzprogramme wiederherstellen.
Abwasser- und Küstenmanagement
Eine wirksame Abwasserreinigung reduziert Nährstoffe und Krankheitserreger. Erosionsschutz verringert den Sedimenteintrag.
Unbebaute Uferzonen, Mangroven und Feuchtgebiete filtern Wasser und schützen zugleich die Küste.
Zusammenfassung
Korallen sind koloniebildende Nesseltiere, von denen viele Kalkskelette aufbauen. Tropische Steinkorallen bilden artenreiche Riffe, die Lebensraum, Nahrung und Küstenschutz bereitstellen.
Korallenriffe werden durch Erwärmung, Ozeanversauerung, Überfischung, Verschmutzung und Sedimente bedroht. Korallenbleichen und Krankheiten können ganze Riffregionen schädigen. Lokaler Schutz verbessert die Widerstandsfähigkeit, während langfristiger Erhalt eine deutliche Begrenzung des Klimawandels erfordert.











