Kompost

Definition: Was bedeutet Kompost?

Kompost ist ein humusähnliches Material, das durch den kontrollierten biologischen Abbau organischer Abfälle entsteht. Als Ausgangsstoffe dienen unter anderem Gartenabfälle, Laub, Rasenschnitt, Pflanzenreste, Küchenabfälle und bestimmte landwirtschaftliche Rückstände. Mikroorganismen und Bodentiere wandeln diese Materialien unter Einwirkung von Sauerstoff, Feuchtigkeit und Wärme in einen stabileren organischen Stoff um.

Kompost
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Der Vorgang wird als Kompostierung oder Rotte bezeichnet. Dabei werden leicht abbaubare Bestandteile zersetzt, während ein Teil der organischen Substanz in humusartige Verbindungen übergeht. Das Volumen der Ausgangsmaterialien nimmt ab, und ein großer Teil des enthaltenen Kohlenstoffs wird als Kohlendioxid freigesetzt.

Reifer Kompost wird vor allem zur Bodenverbesserung und als organischer Dünger eingesetzt. Er liefert Nährstoffe, fördert das Bodenleben und verbessert die Fähigkeit des Bodens, Wasser und Nährstoffe zu speichern. Die Qualität hängt von den verwendeten Ausgangsstoffen und dem Verlauf der Rotte ab.

Grundlagen der Kompostierung

Kompostierung ist ein aerober Prozess. Die beteiligten Organismen benötigen Sauerstoff, um organisches Material abzubauen. Wird der Kompost zu dicht oder zu nass, entstehen sauerstoffarme Bereiche. Dort können Fäulnis, unangenehme Gerüche und klimawirksame Gase auftreten.

Eine erfolgreiche Rotte benötigt ein ausgewogenes Verhältnis aus feuchten und trockenen, stickstoffreichen und kohlenstoffreichen Materialien. Küchenabfälle und frischer Rasenschnitt enthalten viel Wasser und Stickstoff. Zweige, Stroh, trockenes Laub und Holzhäcksel liefern Struktur und Kohlenstoff.

Kohlenstoff-Stickstoff-Verhältnis

Mikroorganismen benötigen Kohlenstoff als Energiequelle und Stickstoff zum Aufbau von Eiweißen. Ein ungünstiges Verhältnis kann den Abbau verlangsamen oder zu Nährstoffverlusten führen.

Enthält das Material sehr viel Kohlenstoff und wenig Stickstoff, verläuft die Rotte langsam. Bei einem starken Stickstoffüberschuss kann Ammoniak freigesetzt werden. Eine Mischung verschiedener Materialien verbessert die Bedingungen.

Sauerstoff

Sauerstoff gelangt über Hohlräume in den Kompost. Grobe Bestandteile wie Zweige oder Holzhäcksel verhindern, dass das Material vollständig zusammensackt.

Durch Umsetzen oder Auflockern wird zusätzlich Luft eingebracht. Bei großen Anlagen erfolgt die Belüftung teilweise technisch über Kanäle oder Gebläse.

Feuchtigkeit

Die abbauenden Organismen benötigen Wasser. Zu trockenes Material wird nur langsam zersetzt, während zu viel Feuchtigkeit die Poren mit Wasser füllt und den Sauerstoffaustausch behindert.

Ein ausgeglichener Kompost fühlt sich feucht an, ohne dass beim Zusammendrücken große Wassermengen austreten. Abdeckung schützt vor Austrocknung und übermäßigem Niederschlag.

Organismen im Kompost

Die Kompostierung wird von einer vielfältigen Lebensgemeinschaft getragen. Bakterien, Pilze, Einzeller und verschiedene Kleintiere zersetzen das Material schrittweise.

Die Zusammensetzung der Gemeinschaft verändert sich während der Rotte. Temperatur, Feuchtigkeit, pH-Wert und vorhandene Nährstoffe bestimmen, welche Organismen besonders aktiv sind.

Bakterien

Bakterien bauen vor allem leicht verfügbare Stoffe wie Zucker, Eiweiße und andere organische Verbindungen ab. Ihre starke Aktivität führt in der Anfangsphase zu einer schnellen Erwärmung.

Bei hohen Temperaturen übernehmen wärmeliebende Bakterien einen großen Teil des Abbaus. Mit sinkender Temperatur verändert sich die Gemeinschaft erneut.

Pilze

Pilze können widerstandsfähige Pflanzenbestandteile wie Zellulose und teilweise Lignin abbauen. Ihre feinen Fäden durchziehen das Material und erschließen schwer zugängliche Bereiche.

Sie sind besonders in trockeneren und holzreichen Zonen aktiv. Viele Pilze tragen zur Bildung humusähnlicher Stoffe bei.

Bodentiere

Regenwürmer, Asseln, Springschwänze, Milben und Insektenlarven zerkleinern organisches Material. Dadurch wird die Oberfläche für Mikroorganismen vergrößert.

Viele größere Tiere treten erst in späteren, kühleren Rottephasen auf. Zu hohe Temperaturen würden sie vertreiben oder schädigen.

Phasen der Kompostierung

Die Kompostierung verläuft in mehreren Phasen. Sie unterscheiden sich vor allem durch Temperatur, Abbaugeschwindigkeit und beteiligte Organismen.

Anfangsphase

Zu Beginn werden leicht abbaubare Stoffe schnell umgesetzt. Bakterien vermehren sich stark, und die Temperatur steigt.

Bei geeigneter Mischung kann sich das Innere eines Komposthaufens innerhalb kurzer Zeit deutlich erwärmen. Kleine Haufen erreichen oft geringere Temperaturen als große Anlagen.

Heißrotte

In der Heißrotte können Temperaturen von mehr als 50 Grad Celsius entstehen. Wärme entsteht durch den intensiven Stoffwechsel der Mikroorganismen.

Hohe Temperaturen beschleunigen den Abbau und können viele unerwünschte Keime sowie keimfähige Pflanzensamen reduzieren. Voraussetzung ist, dass das gesamte Material ausreichend lange erwärmt wird.

Abkühlungsphase

Wenn leicht verfügbare Stoffe weitgehend abgebaut sind, nimmt die mikrobielle Aktivität ab. Die Temperatur sinkt langsam.

Pilze und Bodentiere besiedeln den Kompost stärker. Schwer abbaubare Pflanzenreste werden weiter zerkleinert und umgewandelt.

Reifephase

In der Reifephase stabilisiert sich das Material. Humusähnliche Verbindungen entstehen, und der Kompost erhält eine dunkle, krümelige Struktur.

Unreifer Kompost kann noch Stoffe enthalten, die Pflanzenwachstum beeinträchtigen oder Stickstoff binden. Eine ausreichende Reifezeit verbessert seine Verträglichkeit.

Ausgangsmaterialien

Nicht alle organischen Abfälle eignen sich gleichermaßen für die Kompostierung. Saubere pflanzliche Materialien lassen sich meist gut verarbeiten.

Belastete, stark beschichtete oder nicht biologisch abbaubare Stoffe verschlechtern die Qualität. Eine sorgfältige Trennung ist daher entscheidend.

Gartenabfälle

Laub, Rasenschnitt, verwelkte Pflanzen, Zweige und Heckenschnitt sind typische Ausgangsstoffe. Grobes Material verbessert die Struktur.

Große Mengen frischen Rasenschnitts können zusammenkleben und sauerstoffarm werden. Eine Mischung mit trockenem Material verhindert Fäulnis.

Küchenabfälle

Obst- und Gemüsereste, Kaffeesatz, Teeblätter und Eierschalen können kompostiert werden. Sie enthalten meist viel Feuchtigkeit und leicht abbaubare Stoffe.

Gekochte Speisereste, Fleisch, Fisch und Milchprodukte können Tiere anziehen und Geruchsprobleme verursachen. Ihre Eignung hängt vom Verfahren und der technischen Ausstattung ab.

Holz und Zweige

Zerkleinertes Holz liefert Struktur und Kohlenstoff. Dicke Äste zersetzen sich jedoch nur langsam.

Unbehandeltes Holz ist grundsätzlich geeignet. Lackiertes, imprägniertes oder mit Holzschutzmitteln belastetes Material gehört nicht in normalen Kompost.

Eigenkompostierung

Bei der Eigenkompostierung werden organische Abfälle auf einem privaten oder gemeinschaftlichen Grundstück verarbeitet. Geeignet sind offene Komposthaufen, Lattenbehälter oder geschlossene Komposter.

Der Standort sollte gut erreichbar, halbschattig und nicht vollständig versiegelt sein. Der Kontakt zum Boden ermöglicht Bodentieren den Zugang und lässt überschüssiges Wasser versickern.

Komposthaufen

Ein offener Haufen ermöglicht einen guten Luftaustausch. Verschiedene Materialien werden locker gemischt und schichtweise aufgebracht.

Eine Abdeckung schützt vor starkem Regen und Austrocknung. Der Haufen sollte weder vollständig austrocknen noch dauerhaft nass sein.

Schnellkomposter

Geschlossene Behälter speichern Wärme und benötigen wenig Platz. Sie können den Rotteprozess beschleunigen, wenn Luftzufuhr und Feuchtigkeit stimmen.

Durch die begrenzte Öffnung ist das Umsetzen teilweise schwieriger. Bei zu feuchter Befüllung können auch in geschlossenen Systemen Gerüche entstehen.

Industrielle Kompostierung

In Kompostierungsanlagen werden getrennt gesammelte Bio- und Grünabfälle in großen Mengen verarbeitet. Die Materialien werden kontrolliert zerkleinert, gemischt und belüftet.

Temperatur, Sauerstoff und Feuchtigkeit werden überwacht. Dadurch lassen sich gleichmäßige Rottebedingungen und eine bessere Hygienisierung erreichen.

Mietenkompostierung

Bei der Mietenkompostierung wird das Material in länglichen Haufen aufgeschichtet. Diese Mieten werden regelmäßig umgesetzt.

Das Umsetzen bringt Sauerstoff ein und verteilt feuchte sowie trockene Bereiche. Offene Mieten benötigen ausreichend Fläche und einen Schutz vor belastetem Sickerwasser.

Geschlossene Anlagen

In geschlossenen Hallen, Tunneln oder Rotteboxen lassen sich Abluft, Temperatur und Feuchtigkeit genauer steuern.

Biofilter und andere Abluftbehandlungen reduzieren Gerüche und bestimmte Emissionen. Nach der intensiven Rotte folgt meist eine längere Nachreife.

Kompost und Bodenfruchtbarkeit

Kompost liefert organische Substanz und fördert die Bildung stabiler Bodenaggregate. Dadurch verbessert sich die Durchlüftung und Durchwurzelbarkeit.

Besonders sandige Böden profitieren von einer höheren Wasser- und Nährstoffspeicherung. Schwere Tonböden werden durch organische Substanz lockerer und besser bearbeitbar.

Nährstoffwirkung

Kompost enthält Stickstoff, Phosphor, Kalium, Calcium und weitere Pflanzennährstoffe. Ein Teil ist sofort verfügbar, ein anderer wird erst nach und nach freigesetzt.

Die Zusammensetzung schwankt je nach Ausgangsmaterial. Kompost ersetzt daher nicht automatisch jede weitere Düngung, sollte aber in die Nährstoffplanung einbezogen werden.

Humuswirkung

Ein Teil der organischen Substanz ist vergleichsweise stabil und trägt zum Humusaufbau bei. Regelmäßige, angepasste Gaben können den Humusgehalt erhalten oder erhöhen.

Zu große Mengen führen jedoch zu Nährstoffüberschüssen. Besonders Phosphor kann sich bei wiederholter hoher Anwendung im Boden anreichern.

Kompost und Klimaschutz

Kompostierung führt organische Stoffe in den Stoffkreislauf zurück und ersetzt teilweise mineralische Dünger sowie torfhaltige Substrate. Dadurch können Rohstoffe und Energie eingespart werden.

Während der Rotte wird jedoch Kohlendioxid freigesetzt. Bei Sauerstoffmangel entstehen zusätzlich Methan und Lachgas, die stärker klimawirksam sind.

Vermeidung von Methan

Werden organische Abfälle auf Deponien unter Luftabschluss abgebaut, entsteht Methan. Eine gut belüftete Kompostierung verringert diese Methanbildung deutlich.

Eine unsachgemäße Rotte kann dennoch anaerobe Zonen entwickeln. Strukturmaterial und ausreichende Belüftung sind deshalb wichtig.

Torfersatz

Kompost kann einen Teil des Torfs in Blumenerden und Kultursubstraten ersetzen. Torfabbau zerstört Moore und setzt langfristig gespeicherten Kohlenstoff frei.

Kompost besitzt andere chemische und physikalische Eigenschaften als Torf. Sein Anteil muss daher an Pflanzenart und Nutzung angepasst werden.

Schadstoffe und Fremdstoffe

Die Qualität von Kompost hängt stark von der Reinheit der Bioabfälle ab. Kunststoffe, Glas, Metalle und andere Fremdstoffe lassen sich nicht vollständig entfernen.

Besonders kleine Kunststoffteile können im fertigen Material verbleiben und mit dem Kompost auf Böden gelangen.

Mikroplastik

Kunststoffbeutel, Verpackungen und falsch entsorgte Produkte werden bei der Verarbeitung teilweise zerkleinert. Dabei entstehen kleine Partikel.

Auch als biologisch abbaubar gekennzeichnete Kunststoffe werden unter realen Rottebedingungen nicht immer vollständig zersetzt. Klare Sammelregeln und sorgfältige Trennung sind entscheidend.

Schwermetalle

Schwermetalle können über belastete Ausgangsstoffe in den Kompost gelangen. Sie werden während der Rotte nicht abgebaut.

Qualitätskontrollen und Grenzwerte sollen verhindern, dass problematische Konzentrationen auf landwirtschaftliche oder gärtnerische Flächen gelangen.

Pflanzenkrankheiten und Samen

Krankheitserreger und Unkrautsamen können in Gartenabfällen enthalten sein. Eine ausreichend heiße und gleichmäßige Rotte reduziert viele dieser Belastungen.

Bei kleinen Hauskomposten werden nicht immer alle Bereiche stark genug erwärmt. Stark befallenes Material eignet sich daher nicht in jedem Fall für die Eigenkompostierung.

Kompost und Gerüche

Gut geführter Kompost riecht überwiegend erdig. Starke faulige oder ammoniakartige Gerüche weisen auf ungünstige Bedingungen hin.

Ursachen sind meist zu viel Feuchtigkeit, zu wenig Struktur, Sauerstoffmangel oder ein hoher Anteil stickstoffreicher Materialien.

Geruchsvermeidung

Eine lockere Mischung, Abdeckung und ausreichende Belüftung verhindern viele Geruchsprobleme. Küchenabfälle sollten mit trockenem Material bedeckt werden.

In großen Anlagen werden belastete Luftströme erfasst und über Biofilter behandelt.

Verwendung von Kompost

Reifer Kompost wird im Gartenbau, in der Landwirtschaft, im Landschaftsbau und bei der Bodenrekultivierung eingesetzt. Er kann oberflächlich verteilt oder flach eingearbeitet werden.

Die geeignete Menge hängt von Nährstoffgehalt, Boden und Pflanzenbedarf ab. Sehr nährstoffempfindliche Pflanzen vertragen nicht jeden Kompost.

Frischkompost

Frischkompost ist noch nicht vollständig ausgereift. Er enthält aktive Abbauprozesse und größere Mengen leicht verfügbarer Nährstoffe.

Er eignet sich eher für robuste Flächen, Mulchschichten oder eine weitere Bodenreifung. Direkter Kontakt mit empfindlichen Wurzeln kann problematisch sein.

Fertigkompost

Fertigkompost ist weitgehend stabilisiert und besitzt eine krümelige Struktur. Er lässt sich vielseitig als Bodenverbesserer einsetzen.

Auch reifer Kompost sollte bedarfsgerecht verwendet werden. Eine Überversorgung mit Nährstoffen bleibt möglich.

Zusammenfassung

Kompost ist ein humusähnliches Material, das durch den aeroben Abbau organischer Abfälle entsteht. Mikroorganismen, Pilze und Bodentiere wandeln Pflanzen- und Küchenreste in einen stabileren Bodenverbesserer um.

Kompost fördert Bodenstruktur, Wasserhaltevermögen, Bodenleben und Nährstoffversorgung. Eine gute Qualität setzt saubere Ausgangsstoffe, ausreichend Sauerstoff und eine ausgewogene Feuchtigkeit voraus. Fremdstoffe, Schadstoffe und unsachgemäße Rotte können Umweltvorteile mindern. Richtig eingesetzt schließt Kompost Nährstoffkreisläufe und reduziert den Bedarf an Torf und bestimmten Düngemitteln.