Erdwärme

Definition: Was ist Erdwärme?

Erdwärme bezeichnet Wärmeenergie, die im Inneren der Erde gespeichert ist. Sie wird auch Geothermie genannt. Diese Wärme stammt aus der Entstehungszeit der Erde, aus dem Zerfall natürlicher radioaktiver Elemente im Erdinneren und aus dem Wärmestrom, der vom heißen Erdinneren Richtung Oberfläche wandert. Erdwärme kann zum Heizen, Kühlen, zur Warmwasserbereitung und in geeigneten Regionen auch zur Stromerzeugung genutzt werden.

Wärmepumpe: Erdwärme
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Im Unterschied zu Sonne und Wind steht Erdwärme weitgehend unabhängig von Wetter und Tageszeit zur Verfügung. Besonders oberflächennahe Erdwärme wird in Gebäuden häufig zusammen mit Wärmepumpen genutzt. Tiefere geothermische Quellen können größere Wärmemengen liefern und ganze Quartiere, Gewächshäuser, Industriebetriebe oder Fernwärmenetze versorgen. Aus Umwelt- und Klimasicht ist Erdwärme interessant, weil sie fossile Heizungen ersetzen und Treibhausgasemissionen deutlich senken kann.

Formen der Erdwärmenutzung

Oberflächennahe Geothermie

Oberflächennahe Geothermie nutzt die Wärme aus den oberen Erdschichten, meist bis etwa 400 Meter Tiefe. Dort liegen die Temperaturen häufig nur bei wenigen bis einigen Grad über der mittleren Jahrestemperatur der Luft. Für Heizzwecke reicht diese Temperatur allein meist nicht aus. Deshalb wird eine Wärmepumpe eingesetzt, die das Temperaturniveau anhebt und für Gebäude nutzbar macht.

Typische Systeme sind Erdwärmesonden, Erdwärmekollektoren, Energiepfähle und Grundwasserwärmepumpen. Erdwärmesonden werden senkrecht in Bohrungen eingebracht. Kollektoren liegen flach im Boden und benötigen mehr Fläche. Energiepfähle nutzen Gründungselemente von Gebäuden. Grundwasserwärmepumpen entnehmen Wärme direkt aus dem Grundwasser und leiten das abgekühlte Wasser wieder zurück.

Tiefe Geothermie

Tiefe Geothermie nutzt Wärme aus größeren Tiefen. Je tiefer gebohrt wird, desto höher ist meist die Temperatur. In günstigen Regionen kann heißes Thermalwasser aus mehreren Tausend Metern Tiefe gefördert werden. Die Wärme wird über Wärmetauscher an ein Fernwärmenetz oder einen industriellen Prozess abgegeben. Das abgekühlte Wasser wird anschließend wieder in den Untergrund zurückgeführt.

Bei ausreichend hohen Temperaturen kann tiefe Geothermie auch Strom erzeugen. Dafür wird Dampf oder ein Arbeitsmedium genutzt, das Turbinen antreibt. In Deutschland steht bei tiefer Geothermie meist die Wärmeversorgung im Vordergrund, weil die Temperaturen vieler Lagerstätten eher für Heiznetze als für klassische Stromerzeugung geeignet sind.

Wie funktioniert eine Erdwärmepumpe?

Eine Erdwärmepumpe entzieht dem Boden oder Grundwasser Wärme und hebt sie mit elektrischer Energie auf ein höheres Temperaturniveau. Dabei zirkuliert in der Anlage ein Kältemittel. Es nimmt Wärme auf, verdampft, wird verdichtet und gibt anschließend Wärme an das Heizsystem ab. Danach entspannt es sich wieder und der Kreislauf beginnt von vorn.

Der Vorteil liegt darin, dass nicht die gesamte Heizwärme aus Strom erzeugt wird. Ein großer Teil stammt aus dem Erdreich. Aus einer Kilowattstunde Strom können mehrere Kilowattstunden Wärme entstehen. Die tatsächliche Effizienz hängt von Bodentemperatur, Heizsystem, Gebäudedämmung, Vorlauftemperatur und sorgfältiger Planung ab.

Heizen und Kühlen

Erdwärmesysteme können nicht nur heizen, sondern auch kühlen. Im Sommer kann überschüssige Wärme aus Gebäuden in den Boden abgegeben werden. Bei passiver Kühlung wird kühleres Erdreich direkt genutzt, ohne dass die Wärmepumpe aktiv im Kältemodus arbeiten muss. Das spart Strom und kann Innenräume angenehm temperieren.

Eine saisonale Balance ist günstig. Wird dem Boden im Winter Wärme entzogen und im Sommer wieder Wärme zugeführt, kann sich das Erdreich besser regenerieren. Besonders bei größeren Anlagen muss diese Bilanz geplant werden, damit die Leistung langfristig stabil bleibt.

Vorteile von Erdwärme

Erdwärme ist lokal verfügbar, verursacht im Betrieb wenig direkte Emissionen und benötigt keine Brennstofflieferungen. Sie kann Heizöl, Erdgas oder Kohle ersetzen und damit Kohlendioxid, Stickoxide und Feinstaub verringern. Oberflächennahe Systeme haben zudem einen geringen Platzbedarf an der Oberfläche, besonders wenn Sonden genutzt werden.

Ein weiterer Vorteil ist die gleichmäßige Verfügbarkeit. Während Solarenergie und Windenergie schwanken, liefert der Untergrund relativ stabile Temperaturen. Das macht Erdwärme für die Wärmeversorgung besonders wertvoll. In Fernwärmenetzen kann tiefe Geothermie eine verlässliche Grundversorgung liefern.

Umweltfragen und Risiken

Erdwärme gilt als klimafreundliche Energiequelle, muss aber fachgerecht geplant und betrieben werden. Bohrungen können Grundwasserleiter berühren. Deshalb sind Abdichtung, Genehmigung und geologische Prüfung wichtig. Unsachgemäße Bohrungen können Wasserwege verbinden oder Verunreinigungen ermöglichen.

Bei tiefer Geothermie können zudem kleine Erdbeben ausgelöst werden, wenn Druckverhältnisse im Untergrund verändert werden. Dieses Risiko hängt stark vom Standort und Verfahren ab. Auch mineralreiche Thermalwässer können technische Herausforderungen verursachen, etwa Ablagerungen, Korrosion oder gelöste Gase. Moderne Projekte arbeiten deshalb mit Messnetzen, Sicherheitskonzepten und abgestufter Betriebsführung.

Flächen und Naturschutz

Oberflächennahe Erdwärme braucht je nach System Fläche. Erdkollektoren dürfen nicht stark überbaut oder tiefwurzelnd bepflanzt werden, weil der Boden Wärme austauschen muss. Erdwärmesonden benötigen weniger Fläche, dafür Bohrungen. In Wasserschutzgebieten oder geologisch sensiblen Bereichen können Einschränkungen gelten.

Im Vergleich zu vielen anderen Energieformen bleiben die sichtbaren Eingriffe meist gering. Dennoch müssen Boden, Grundwasser und Nachbargrundstücke berücksichtigt werden.

Erdwärme in der Wärmewende

Die Wärmewende verlangt Lösungen, die fossile Heizungen ersetzen. Erdwärme kann dabei eine wichtige Aufgabe übernehmen. Einzelne Gebäude können mit Erdwärmepumpen versorgt werden. Quartiere und Städte können tiefe Geothermie in Fernwärmenetze einspeisen. Auch kalte Nahwärmenetze nutzen den Untergrund als Wärmequelle und verbinden mehrere Gebäude mit dezentralen Wärmepumpen.

Besonders gut funktioniert Erdwärme in gut gedämmten Gebäuden mit niedrigen Vorlauftemperaturen. Fußbodenheizungen oder große Heizkörper verbessern die Effizienz. In unsanierten Gebäuden kann Erdwärme ebenfalls möglich sein, erfordert aber sorgfältige Planung und manchmal zusätzliche Sanierungsmaßnahmen.

Zusammenfassung

Erdwärme ist im Untergrund gespeicherte Wärmeenergie. Sie kann oberflächennah mit Wärmepumpen oder in größeren Tiefen für Fernwärme und teilweise Strom genutzt werden. Ihre Vorteile liegen in geringer Klimabelastung, lokaler Verfügbarkeit und zuverlässiger Wärmebereitstellung. Fachgerechte Planung ist nötig, um Grundwasser, Boden und geologische Risiken zu schützen. In der Wärmewende ist Erdwärme ein wichtiger Baustein, besonders für Gebäude, Quartiere und erneuerbare Wärmenetze.