Dioxin

Definition: Was ist Dioxin?

Dioxin ist ein Sammelbegriff für eine Gruppe chlorierter organischer Verbindungen, die sehr giftig, langlebig und fettlöslich sein können. Im Alltag wird meist von „Dioxinen“ gesprochen. Besonders bekannt ist 2,3,7,8-Tetrachlordibenzodioxin, kurz TCDD. Es gilt als eine der giftigsten Verbindungen dieser Stoffgruppe. Eng verwandt sind chlorierte Dibenzofurane und bestimmte dioxinähnliche polychlorierte Biphenyle.

Chemische Verbindung von Dioxin
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Dioxine werden nicht gezielt für alltägliche Produkte hergestellt. Sie entstehen meist unerwünscht als Nebenprodukte, etwa bei Verbrennungsprozessen, chemischer Herstellung, Metallverarbeitung oder früher bei der Produktion bestimmter chlorierter Chemikalien. Wegen ihrer Langlebigkeit können sie in Böden, Sedimenten, Nahrungsketten und tierischen Lebensmitteln über lange Zeit nachweisbar bleiben.

Chemische Eigenschaften

Dioxine sind schwer wasserlöslich, aber gut fettlöslich. Sie binden an organisches Material, Staub, Ruß, Böden und Sedimente. In der Umwelt werden sie nur langsam abgebaut. Durch ihre Fettlöslichkeit können sie sich in Organismen anreichern, besonders im Fettgewebe. Über Nahrungsketten können höhere Konzentrationen bei Tieren am oberen Ende der Nahrungskette entstehen.

Es gibt viele unterschiedliche Dioxinverbindungen. Sie unterscheiden sich durch Anzahl und Position der Chloratome. Nicht alle sind gleich giftig. Für die Bewertung wird häufig mit Toxizitätsäquivalenten gearbeitet. Dabei wird die Wirkung verschiedener dioxinähnlicher Stoffe auf die Wirkung von TCDD bezogen.

Dioxinähnliche PCB

Bestimmte polychlorierte Biphenyle haben eine Molekülform, die dioxinähnliche Wirkungen auslösen kann. Sie gehören chemisch nicht zu den Dioxinen, werden aber in der Risikobewertung oft gemeinsam betrachtet. PCB wurden früher in Transformatoren, Kondensatoren, Fugendichtmassen, Farben und Hydraulikölen eingesetzt. Viele Anwendungen sind heute verboten, doch Altlasten bleiben wichtig.

Entstehung von Dioxinen

Dioxine entstehen vor allem, wenn organisches Material, Chlor und ungünstige Temperaturen zusammenkommen. Besonders kritisch sind unvollständige Verbrennungen. Historisch trugen Müllverbrennung, Metallindustrie, Hausbrand, bestimmte chemische Produktionen und offene Verbrennung von Abfällen zu Emissionen bei.

Moderne Müllverbrennungsanlagen haben die Emissionen durch hohe Verbrennungstemperaturen, schnelle Abkühlung der Abgase und wirksame Filtertechnik stark verringert. Problematisch bleiben offene Feuer, unsachgemäße Abfallverbrennung, Brände chlorhaltiger Materialien und belastete Altstandorte.

Abfallverbrennung

Wenn Kunststoffe, behandeltes Holz, chlorhaltige Materialien oder gemischte Abfälle bei niedrigen Temperaturen verbrannt werden, können Dioxine entstehen. Das gilt besonders für offene Feuer, private Abfallverbrennung oder schlecht kontrollierte Anlagen. Deshalb dürfen Abfälle nicht einfach im Garten, Ofen oder auf offenen Flächen verbrannt werden.

In modernen Anlagen werden Prozessführung und Abgasreinigung so ausgelegt, dass Dioxinbildung minimiert und entstehende Spuren zurückgehalten werden. Filterstäube und Rückstände müssen anschließend sicher entsorgt werden.

Chemische Industrie und Altlasten

Dioxine können auch als Nebenprodukte bei der Herstellung bestimmter chlororganischer Verbindungen entstehen. Früher waren einige Produktionsstandorte, Pestizide oder Holzschutzmittel stärker belastet. Bei Altlasten können Böden, Schlämme, Sedimente oder Gebäudeteile noch heute Dioxine enthalten.

Dioxine in der Umwelt

Dioxine gelangen meist über Luft, Staub und Partikel in die Umwelt. Sie lagern sich auf Böden, Pflanzen, Gewässern und Sedimenten ab. Dort bleiben sie lange erhalten. Da sie schlecht wasserlöslich sind, findet man sie eher an Partikeln und in fettreichen Organismen als frei gelöst im Wasser.

Auf Weiden können Dioxine über Bodenpartikel oder belasteten Staub von Nutztieren aufgenommen werden. Hühner, die auf belasteten Böden scharren, können Dioxine über Erde und Kleintiere aufnehmen. Dadurch können Eier erhöhte Gehalte aufweisen. Auch fettreiche tierische Lebensmittel sind wichtige Überwachungsbereiche.

Bioakkumulation

Dioxine reichern sich im Fettgewebe an. Tiere nehmen sie über Nahrung, Bodenpartikel oder Sedimente auf. Da die Ausscheidung langsam ist, steigen Gehalte bei dauerhafter Aufnahme. In Nahrungsketten können sich Belastungen verstärken. Besonders relevant sind Milch, Eier, Fleisch, Fisch und tierische Fette.

Beim Menschen erfolgt die Aufnahme überwiegend über Lebensmittel. Einmal aufgenommen, verbleiben Dioxine lange im Körper. Die Halbwertszeiten können mehrere Jahre betragen, abhängig von Verbindung und Stoffwechsel.

Gesundheitliche Wirkung

Dioxine können verschiedene Wirkungen haben. Sie beeinflussen unter anderem Hormonhaushalt, Immunsystem, Leber, Entwicklung, Fortpflanzung und Haut. TCDD ist als krebserzeugend für den Menschen eingestuft. Akute Vergiftungen sind selten, bekannt ist jedoch Chlorakne als Hauterkrankung nach hoher Exposition.

Für die Allgemeinbevölkerung steht die langfristige Aufnahme geringer Mengen im Vordergrund. Deshalb gibt es Grenzwerte und Höchstgehalte für Lebensmittel, Futtermittel und bestimmte Umweltbereiche. Die Überwachung soll verhindern, dass belastete Produkte in größeren Mengen in den Handel gelangen.

Empfindliche Gruppen

Ungeborene, Säuglinge und Kinder gelten als besonders empfindlich gegenüber bestimmten Wirkungen langlebiger organischer Schadstoffe. Dioxine können über die Plazenta und über Muttermilch übertragen werden. Gleichzeitig bleibt Stillen aus gesundheitlicher Sicht in der Regel empfohlen, weil der Nutzen überwiegt. Ziel des Umweltschutzes ist daher, die Gesamtbelastung in der Bevölkerung weiter zu senken.

Dioxin in Lebensmitteln

Dioxinbelastungen in Lebensmitteln entstehen meist nicht durch absichtliche Zusätze, sondern durch Umweltkontamination oder belastete Futtermittel. Skandale traten auf, wenn verunreinigte Futterfette, technische Öle oder belastete Zusatzstoffe in Futtermittel gelangten. Dadurch konnten Eier, Fleisch oder Milch betroffen sein.

Lebensmittelüberwachung kontrolliert daher besonders tierische Produkte und Futtermittel. Wenn erhöhte Werte festgestellt werden, können Betriebe gesperrt, Produkte zurückgerufen und Ursachen untersucht werden. Saubere Futtermittelketten sind ein zentraler Schutz.

Maßnahmen zur Verringerung

Die wirksamsten Maßnahmen sind Vermeidung dioxinbildender Prozesse und sichere Kontrolle von Emissionsquellen. Dazu gehören moderne Abgasreinigung, Verbot offener Abfallverbrennung, saubere industrielle Prozesse, sichere Entsorgung chlorhaltiger Abfälle und Sanierung belasteter Standorte.

In der Landwirtschaft helfen Untersuchungen belasteter Böden, kontrollierte Futtermittel und geeignete Haltung. Auf belasteten Flächen kann es nötig sein, Weidehaltung einzuschränken, Bodenabdeckung vorzunehmen oder Nutzungen zu ändern. Besonders Hühnerhaltung auf belasteten Böden braucht Aufmerksamkeit.

Zusammenfassung

Dioxin bezeichnet eine Gruppe sehr langlebiger, fettlöslicher und teils hochgiftiger chlororganischer Verbindungen. Dioxine entstehen meist unerwünscht bei Verbrennung, chemischen Prozessen oder Altlasten. Sie binden an Staub, Böden und Sedimente, reichern sich in Fettgewebe an und gelangen vor allem über tierische Lebensmittel zum Menschen. Gesundheitlich relevant sind mögliche Wirkungen auf Krebsrisiko, Immunsystem, Entwicklung, Hormone und Leber. Schutz gelingt durch saubere Verbrennungsprozesse, Verbot offener Abfallverbrennung, Überwachung von Lebensmitteln und Futtermitteln sowie Sanierung belasteter Standorte.