Biogas

Definition: Was ist Biogas?

Biogas ist ein brennbares Gasgemisch, das beim Abbau organischer Stoffe unter Ausschluss von Sauerstoff entsteht. Dieser Prozess wird anaerobe Vergärung genannt. Biogas besteht hauptsächlich aus Methan und Kohlendioxid. Weitere Bestandteile können Wasserdampf, Schwefelwasserstoff, Ammoniak, Stickstoff, Sauerstoff und Spurengase sein. Der energiereiche Bestandteil ist Methan.

Biogas
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Biogas entsteht natürlicherweise in Sümpfen, Mooren, Sedimenten, Mägen von Wiederkäuern und Deponien. Technisch wird es in Biogasanlagen erzeugt. Dort werden organische Materialien wie Gülle, Mist, Bioabfälle, Speisereste, Klärschlamm, Erntereste oder Energiepflanzen vergoren. Das Gas kann zur Strom- und Wärmeerzeugung genutzt, zu Biomethan aufbereitet oder als Kraftstoff eingesetzt werden.

Entstehung von Biogas

Die Bildung von Biogas ist ein mehrstufiger mikrobieller Prozess. Verschiedene Gruppen von Mikroorganismen bauen organische Stoffe schrittweise ab. Zunächst werden komplexe Verbindungen wie Kohlenhydrate, Fette und Proteine in kleinere Moleküle zerlegt. Danach entstehen organische Säuren, Alkohole, Wasserstoff und Kohlendioxid. In der letzten Phase bilden methanogene Mikroorganismen Methan.

Der Prozess benötigt geeignete Bedingungen. Wichtig sind Temperatur, pH-Wert, Feuchtigkeit, Nährstoffverhältnis, Sauerstofffreiheit und eine passende Verweilzeit im Fermenter. Werden die Bedingungen gestört, kann die Gasproduktion sinken oder der Prozess kippen. Besonders empfindlich sind die methanbildenden Mikroorganismen.

Fermenter

Der Fermenter ist das Herzstück einer Biogasanlage. In diesem geschlossenen Behälter werden die organischen Substrate unter Sauerstoffabschluss vergoren. Rührwerke halten das Material in Bewegung und sorgen dafür, dass Mikroorganismen und Substrate gut in Kontakt kommen. Heizsysteme halten die gewünschte Temperatur.

Viele Anlagen arbeiten im mesophilen Bereich bei etwa 35 bis 40 Grad Celsius. Andere nutzen höhere Temperaturen. Wärmere Prozesse laufen schneller, sind aber oft empfindlicher. Nach der Vergärung bleibt Gärrest zurück. Dieser enthält Nährstoffe und kann als Dünger genutzt werden, wenn Qualität und Ausbringung passen.

Substrate

Als Substrate dienen organische Materialien. Gülle und Mist sind besonders geeignet, weil sie ohnehin in der Tierhaltung anfallen und eine stabile Vergärung unterstützen. Bioabfälle und Speisereste besitzen hohe Energiegehalte, benötigen aber gute Sortierung und Hygienisierung. Energiepflanzen wie Mais, Gras oder Zuckerrüben liefern viel Biogas, beanspruchen jedoch Ackerflächen.

Die Wahl der Substrate entscheidet stark über die Umweltbilanz. Reststoffe und Abfälle sind meist günstiger zu bewerten als eigens angebaute Energiepflanzen. Gleichzeitig müssen Reststoffe sorgfältig behandelt werden, damit keine Störstoffe, Schadstoffe oder hygienischen Risiken entstehen.

Nutzung von Biogas

Strom und Wärme

Biogas wird häufig in Blockheizkraftwerken verbrannt. Dabei entstehen Strom und Wärme. Der Strom wird ins Netz eingespeist oder vor Ort genutzt. Die Wärme kann Gebäude, Stallungen, Fermenter, Gewerbebetriebe oder Nahwärmenetze versorgen. Eine gute Wärmenutzung ist wichtig, weil sonst ein großer Teil der Energie verloren geht.

Biogas hat den Vorteil, dass es speicherbar ist. Anlagen können Strom erzeugen, wenn Bedarf besteht oder wenn Wind- und Solarstrom wenig liefern. Flexible Biogasanlagen können damit zur Stabilisierung eines erneuerbaren Energiesystems beitragen.

Biomethan

Biogas kann zu Biomethan aufbereitet werden. Dabei werden Kohlendioxid, Schwefelwasserstoff, Wasser und andere Begleitstoffe entfernt, sodass ein gasförmiger Energieträger mit hohem Methangehalt entsteht. Biomethan kann ins Erdgasnetz eingespeist, in Fahrzeugen genutzt oder in Heizungen und Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen eingesetzt werden.

Die Aufbereitung erhöht die Einsatzmöglichkeiten, benötigt aber zusätzliche Technik und Energie. Biomethan ist besonders interessant, wenn es fossiles Erdgas in Bereichen ersetzt, die schwer direkt zu elektrifizieren sind.

Biogas und Klimaschutz

Biogas kann zum Klimaschutz beitragen, wenn es fossile Energieträger ersetzt und Methanemissionen aus organischen Reststoffen mindert. Besonders bei Gülle kann Vergärung vorteilhaft sein, weil Methan kontrolliert erfasst und energetisch genutzt wird, statt ungenutzt aus Lagerung oder Zersetzung zu entweichen.

Die Klimabilanz hängt jedoch stark von der Anlage ab. Methan ist ein starkes Treibhausgas. Schon kleine Leckagen können die Vorteile verringern. Auch Anbau, Düngung, Ernte und Transport von Energiepflanzen verursachen Emissionen. Wird Grünland umgebrochen oder Moorboden genutzt, kann die Bilanz deutlich schlechter werden.

Methanverluste

Biogasanlagen müssen gasdicht sein. Undichte Fermenter, Speicher, Leitungen oder Gärrestlager können Methan freisetzen. Da Methan deutlich klimawirksamer ist als Kohlendioxid, sind regelmäßige Kontrolle und gute Technik wichtig. Abgedeckte Gärrestlager, Leckagekontrolle und fachgerechter Betrieb verbessern die Klimawirkung.

Gärreste

Nach der Vergärung bleibt Gärrest zurück. Er enthält Nährstoffe wie Stickstoff, Phosphor, Kalium und organische Substanz. Gärreste können landwirtschaftlich als Dünger genutzt werden. Im Vergleich zu Rohgülle ist ein Teil des Stickstoffs stärker als Ammonium verfügbar, wodurch Pflanzen ihn rascher aufnehmen können. Gleichzeitig steigt bei unsachgemäßer Ausbringung das Risiko für Ammoniakverluste.

Die Qualität der Gärreste hängt von den eingesetzten Substraten ab. Werden Bioabfälle verwendet, müssen Fremdstoffe wie Plastik, Glas oder Metalle möglichst entfernt werden. Schadstoffe oder ungeeignete Materialien dürfen nicht in den Kreislauf gelangen. Gute Gärrestnutzung verbindet Nährstoffrückführung mit Gewässer- und Luftschutz.

Biogas und Landwirtschaft

Biogasanlagen sind in vielen ländlichen Regionen Teil landwirtschaftlicher Betriebe. Sie können Zusatzeinkommen schaffen, Reststoffe nutzen und Energie vor Ort erzeugen. Gleichzeitig hat der Ausbau von Biogas in manchen Regionen zu mehr Maisanbau geführt. Monotone Maislandschaften können Artenvielfalt verringern, Bodenerosion fördern und Landschaftsbilder verändern.

Eine umweltfreundlichere Biogasproduktion setzt auf Gülle, Mist, Zwischenfrüchte, Landschaftspflegegut, Kleegras, Blühpflanzen, Reststoffe und vielfältigere Fruchtfolgen. Kulturen wie Durchwachsene Silphie oder mehrjährige Wildpflanzenmischungen können ökologisch günstiger sein als reine Maisbestände, wenn sie gut in den Betrieb passen.

Risiken und Umweltfragen

Biogasanlagen müssen sorgfältig betrieben werden. Austretende Substrate oder Gärreste können Gewässer belasten. Schwefelwasserstoff ist giftig und korrosiv. Brand- und Explosionsschutz ist wichtig, weil Methan brennbar ist. Gerüche können Anwohner belasten, besonders bei Lagerung und Ausbringung.

Auch der Transport vieler Substrate kann Verkehr und Emissionen verursachen. Dezentrale Nutzung mit regionalen Stoffströmen ist oft sinnvoller als lange Transporte. Eine gute Standortplanung berücksichtigt Substratverfügbarkeit, Wärmenutzung, Gewässerschutz und Abstände.

Biogas im Energiesystem

Biogas kann eine besondere Aufgabe im Energiesystem übernehmen, weil es speicherbar und regelbar ist. Während Solarstrom nachts fehlt und Windstrom schwankt, kann Biogas bedarfsgerecht eingesetzt werden. Damit eignet es sich als Ergänzung zu Wind- und Solarenergie.

Da nachhaltig verfügbare Biomasse begrenzt ist, sollte Biogas gezielt genutzt werden. Besonders wertvoll ist es für flexible Stromerzeugung, Wärmenetze, Prozesswärme oder als Biomethan in Bereichen, in denen direkte Elektrifizierung schwierig ist.

Zusammenfassung

Biogas entsteht beim sauerstofffreien Abbau organischer Stoffe und besteht vor allem aus Methan und Kohlendioxid. Es wird aus Gülle, Mist, Bioabfällen, Klärschlamm, Ernteresten oder Energiepflanzen erzeugt. Biogas kann Strom, Wärme, Biomethan oder Kraftstoff liefern. Ökologisch besonders sinnvoll ist es bei Nutzung von Reststoffen, dichter Technik, guter Wärmenutzung und sorgfältigem Gärrestmanagement. Problematisch sind Methanverluste, einseitiger Energiepflanzenanbau, Nährstoffüberschüsse und unsachgemäßer Betrieb.